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Thomas Brendgens & Daniel Corzo 27.05.2006 KITO Bremen

CoverKopieDer Ottersberger Musiker/Gitarrist Thomas Brendgens-Mönkemeyer, hier bereits ausführlich vorgestellt, beglückte die norddeutsche Jazz(-gitarren)szene in der Zeit vom 24.05. - 28.05.2006 mit vier Duo-Konzerten der besonderen Art. Wie schon die Gastspiele von Gitarristen wie z.B. John Stowell und Woody Mann, oder die Duokombination mit dem Bassisten Jean Louis Rassinfosse zeigten, ist es die Intimität kleiner Besetzungen, die Thomas Brendgens-Mönkemeyer besonders liebt.

Die jüngste Zusammenkunft gab es Ende Mai mit dem argentinischen Gitarristen Daniel Corzo aus Cordoba.

Daniel Corzo ist am 24.10.68 in Cordoba (ARG) geboren. Die musikalische Ausbildung genoss er u.a. als Fernstudent bei Alan de Mause und später am staatlichen Konservatorium „Felix T. Garzon“ Cordoba, wo er als „Professor on Guitar“ abschließt.

Daniel Corzo arbeitet als konzertierender Künstler in diversen Besetzungen (u.a. Sid Jacobs, John Stowell; Barbara Jungfer...) und kommt seinem „Bildungsauftrag“ nach. Näheres über Daniel Corzo gibt es auf seiner sehr ausführlichen Homepage: www.danielcorzo.com.ar .

Für mich beginnt das musikalische Abenteuer am Abend des 26.05.06, um 20:25 Uhr, als ich die Weserfähre verpasse und somit den Konzertsaal erst um 21:10 Uhr erreiche. In einer bequemen Atmosphäre im Dachgeschoss eines alten Bremer Handelshauses erklingen mir auf dem Weg nach oben angenehme, z.T. vertraute Töne. Ich erreiche den halbgefüllten Konzertsaal und nehme noch die letzten Töne des Openers „Billies Bounce“ war. Auf leisen Sohlen suche ich mir einen Sitzplatz.

Schon das erste Stück zeigt dem geneigten Zuhörer, dass hier zwei Meister ihres Faches Gitarrenkunst auf höchstem Niveau präsentieren werden. Thomas, mir aus verschiedensten Besetzungen bekannt, zeigt sich von einer swingenden, boppigen Seite und untermalt die Improvisationen von Daniel nach allen Regeln der Kunst von Walking Bass bis hinzu kontrapunktischen Gegenlinien. Daniel Corzo reagiert gekonnt und die Interaktion beginnt von harmonischer Ausgeglichenheit bis zu spannungsgeladenen Höhepunkten. Thomas Brendgens Improvisationen zeigen, dass er stilistisch aus allen Töpfen zieht. Zu meiner Freude ist dieser Abend allerdings sehr boppy, was sicherlich auch an der Themenauswahl liegt. Standards des American Songbook werden präsentiert. Von Eigenkompositionen wird aufgrund der mangelnden Vorbereitungszeit „vorerst“ Abstand genommen.

Daniel CorzoEs fällt bei Daniel sofort auf, daß er ausnahmslos ohne Plek spielt. Dieses äußert sich auch in seinen Linien die sehr arpeggiobasiert sind. Als zweites in der (Standard)Reihe wird Monk's „Well you needn´t“ intoniert. Es folgt ein Klassiker: „Orpheo Negro“. Thomas moderiert mit Witz und Sachverstand, dass nach den üblichen Konzertregeln ein Walzer folgen sollte: „ Alice in Wonderland“

Als Höhepunkte des ersten Sets werden jeweils ein Titel Solo vorgetragen. Es eröffnet Thomas mit einer wunderschön gelungenen Version des Bill Evans Titels: „ How my heart sings“! Solo kann er halt......! Ein kurzer Wechsel und Daniel Corzo betritt die Bühne.

Er überzeugt mit einer meisterlichen Interpretation von Jobim´s „Desafinado“. Daniel stammt aus Südamerika und das merkt man in dieser Variation. Rhythmisch unerschütterlich, harmonisch gekonnt, steuert er durch diese Komposition. Lang anhaltender Applaus quittiert diese Meisterleistung.

Thomas wechselt im nach Mood und Stilistik zur klassischen Gitarre und liefert einen soundmäßig schönen Kontrast. Das erste Set wird mit Viktor Young's Klassiker : „Stella by Starlight“ beendet. In der ca 15 minütigen Pause habe ich Gelegenheit meine Mikros aufzubauen und den MD Recorder anzuschließen. Ein Blick auf das Podium zeigt die Nutzung folgendem Equipments:

SetupThomas: Gibson L7C / Klassikgitarre; älteres Polytone Modell /Fishman Amp

Daniel: Signatur Cordova Guitar ; Polytone Minibrut II

Das zweite Set wird eröffnet: „Days of Wine and Roses“ gefolgt von „Nardis“. Es wird ungebremst weitergemacht. Corzo: boppy - moderen – Bill Evans hat er auch gehört- clever agierend mit einem sensibel spielenden, den Dialog anstrebenden, Thomas Brendgens. „“Corcovado“, gefolgt von „Body and Soul“ – blindes Verständnis. Die Solosection des zweiten Sets eröffnet Daniel mit einer schönen Version von „Darn that Dream“.

Thomas präsentiert darauffolgend eine Eigenkomposition mit dem Titel „Evergreen“ auf der klassischen Gitarre. Er zeigt seine Fähigkeit mit Klangfarben und Harmonien zu spielen alles bedingt/getragen durch eine hervorragende Instrumentaltechnik. Es folgt zum Ausklang noch „Falling Grace“! Das begeistere Publikum fordert zwei Zugaben die es natürlich auch bekommt: „Blue Bossa“ und „Beautiful Love“

Thomas Brendgens-MönkemeyerEin bemerkenswertes Konzert mit zwei bemerkenswerten Musikern.....to be continued. Nicht ohne Grund bezeichnet Thomas Brendgens in seiner Anmoderation Daniel Corzo als einen der faszinierendsten Gitarristen, den er in letzten Jahren gesehen und gehört hat. Für mich beschließt sich der Abend mit einem kleinen Plausch mit Daniel und Thomas.

Daniel erzählt über seine Gitarre, dass es eine Customanfertigung (Fichte/Ahorn) im Rahmen eines Endorsements für Cordova Guitars, nach seinen Vorstellungen ist. Standardmaße lassen sich nicht anwenden. Die Korpusgröße liegt bei ca. 16“.
Die Zargenhöhe ist etwas flacher. Die Mensur ist kurz und der Hals hat ein relativ breites aber sehr flaches Profil. Die Gitarre ist sehr luftig, leicht und der in Decke eingebaute Tonabnehmer produziert einen satten, singenden Ton.

Die Gitarre ist modern designt. Als Besonderheit ist die Platzierung der Potis zu erwähnen, welche an die Kante des unteren Schalloches angebaut sind. Gut zu sehen auf Daniels Homepage. Nach kurzer Verabschiedung verlasse ich das KITO mit den Musikern und erreiche meine Fähre......

 

Ich habe Thomas noch ein paar Fragen zum Projekt Brendgens / Corzo gestellt:

1. Thomas, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Daniel?

Wir haben einen gemeinsamen Musikerfreund, den Gitarristen John Stowell aus Oregon/USA. Er hat mich nach unserer Tour im Dez.2004 an Daniel Corzo empfohlen und mir per Mail den Daniel Corzo aus Argentinien vorgeschlagen; Daniel schrieb mir später eine Mail, er sei im Herbst in Norddeutschland und lud zu einem seiner Konzerte ein. Als wir uns dort trafen, lud er mich ein , bei seinem nächsten Besuch Mai 2006 mit ihm im Kito/Bremen zu spielen. Diese Einladung, so einfach, direkt und freundlich, hat mich für ihn eingenommen. Was er an dem Abend dort spielte, zeigte auch klar einen hervorragenden Profi. Danach habe ich mich um weitere Konzerte mit Daniel bemüht, so dass neben dem Konzert im Kito noch drei weitere Engagements zustande kamen; es war und ist mir ein Anliegen, partnerschaftlich zusammen zu arbeiten.

2.Hattest Du Daniel im Vorfeld schon ein Mal gehört?

Nur an dem og. Abend.

3. Wie beschreibst Du Daniel als Gitarristen/Musiker und welche Aspekte sind für Euer Zusammenspiel besonders reizvoll?

Sein Spiel klingt für mich sehr elegant, die Verbindungen der harmonischen, rhythmischen und melodischen Strukturen sind bei ihm immer fließend; ein Konzept, das ich selbst auch praktiziere, allerdings mit anderen Schwerpunkten, anderen Ergebnissen.

4. Als Zuhörer fällt mir immer wieder auf, dass eine Deiner ganz großen Stärken im Begleiten liegt und Du mit spielerischer Leichtigkeit eine wunderbare Untermalung für dein Gegenüber lieferst. Ist Dir das Zusammenspiel mit Daniel "Leicht gefallen" ?

Mit Daniel Corzo zu spielen, war von Anfang an eine Art Spaziergang voller Überraschungen, abwechslungsreich, nie anstrengend, aber sehr anregend!

5. Gibt es schon konkrete Terminplanungen für eine zukünftige Zusammenarbeit - vielleicht sogar eine CD?

Im Herbst 2006 treffen wir uns wieder, wahrscheinlich in Berlin und fahren dann nach Süddeutschland, aber wohl nicht so lange, da Daniel nach Italien weiterreist. Für den April 2007 hat er mich für Workshops und Konzerte nach Argentinien eingeladen.

6. Zum Schluss eine Frage zu einem anderen Thema: Was wird uns beim “International Archtop Meeting” in Dortmund bei der Deiner Präsentation von Stefan Sonntags Gitarren erwarten?

Auf dieser Veranstaltung habe ich natürlich nicht genug Zeit, mein Programm zu spielen; Stefans Gitarren besitzen sehr flexible Eigenschaften, diese werde ich betonen! Also hören wir einen Querschnitt der Stile von mir. Bebop, modern, Blues!

Oliver Kuiper, Oldenburg

 

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