Archtop Germany Konzertberichte

Two Guitars: Christian Eckert & Michael Arlt im Jazzhaus Heidelberg 12.12.08
von Dr. Michael Herweg

 

Eckert_ArltMichael Arlt war kürzlich zu Gast bei Christian Eckerts Reihe "Two Guitars" im Jazzhaus Heidelberg. Nachdem sich die beiden im Oktober beim Dortmunder Archtop Germany Meeting begegnet sind, kam es gleich zwei Monate später zum ersten musikalischen Zusammentreffen des Würzburger Gitarristen und Hochschuldozenten mit dem Gastgeber der seit über zwei Jahren erfolgreich laufenden Duoreihe. Michael Arlt hatte sein Mitt-60er-Jahre Equipment, eine Gibson L5 und einen Fender Twin Reverb, (und noch ein bisschen mehr, aber dazu später) sowie originelle Ideen für ein außergewöhnliches Programm in den Gewölbekeller in der Heidelberger Altstadt mitgebracht. Abgesehen von einigen wenigen Klassikern (Triste, Con Alma (im 5/4-Takt!), It could happen to you, Jingles) gab es eher selten gehörte Stücke sowie Eigenkompositionen zu hören.

Gleich beim Eröffnungsstück, Weaver of Dreams von Victor Young (dessen Changes weitgehend denen von There will never be another you entsprechen), ließ Michael Arlt das hören, was im Laufe des Abends als sein Markenzeichen erkennbar wurde, nämlich druckvolle, manchmal nur wenige Takte lange Oktav- und Akkordpassagen, mit denen er seinen Soli enorme Spannung und Abwechslung verlieh. Diese Spielweise, verbunden mit fantasievollen und flüssigen Linien und grooviger Begleitung mit vielen Bassanteilen, setzte sich fort und steigerte sich sogar noch bei Stücken wie Thingin' von Lee Konitz (über den Changes von All the things you are), These are soulful days von Cal Massey, Sweet love of mine von Woody Shaw und den oben genannten Klassikern.

Für drei Eigenkompositionen, die Ballade Theme for Sonja, die Samba Brazilian Blonde und das soulige Basic Instinct, tauschte Michael Arlt seine L5 gegen eine Ibanez AS 200, die mit einem Roland Synthesizer Pickup modifiziert ist. Diese Halbakustische spielte er über einen Roland GR-1 Guitar Synthesizers, mit dessen Harmonizer er v.a. Oktaven in einer Art von Harmonica-Sound hinzufügte. Die Kompositionen - die letztgenannte nach eigener Aussage das einzige Stück (zumindest des Abends), das er am Klavier komponiert hat ("deshalb musste es sehr einfach werden") - fügten sich sehr gut in das reizvolle und überzeugende Programm des Abends ein. Schön, dass Michael die Effekte des Synthesizers immer sehr geschmackvoll und musikalisch einsetzt.

Der Höhepunkt des Abends war für mich A simple Song for a Simple Time von Joshua Breakstone, rhythmisch ein "funky latin" mit einer einfachen, äußerst eingängigen Melodie mit hohem Wiedererkennungswert. (Joshua Breakstone bietet die Noten übrigens zum kostenlosen Download auf seiner Website an.)

Christian Eckert spielte engagiert und souverän ein Programm, das - so nehme ich jedenfalls an - nicht unbedingt zu seiner täglichen Routine gehört. Er traf in Begleitung und Solo zielsicher den Charakter der Kompositionen und gestaltete seine Soli durch interessante Intervalle und rhythmisch einfallsreiche Phrasierung sehr spannungsreich. Mit zunehmender Dauer des Abends fand er immer stärker zu seinem bekannt kraftvollen, blues-inspirierten Spiel mit energischen Outside-Ausflügen, die immer völlig schlüssig wieder 'zu Hause' ankommen. Da Christian sich jederzeit beneidenswert schnell in den unterschiedlichsten musikalischen Umgebungen zurechtfindet, ist er der ideale Gastgeber für eine Reihe wie die "Two Guitars".

Das Programm war ausgesprochen gut ausgewählt; für ein Duo, das sich nur für einen Abend der spontanen Improvisation zusammengefunden hat, eine ungewöhliche Auswahl abseits der üblichen Standards (mögen wir diese auch noch so sehr lieben ...), was vom Publikum erkennbar honoriert wurde.

Mit seiner L5 und dem Twin Reverb produzierte Michael Arlt einen richtig kernigen Ton. Die Kombination mit Christian Eckerts Höfner Chancellor war sehr gelungen. Da die Höfner mehr akustische Anteile rüberbrachte, auch durch eine höhenbetontere Einstellung des Amps (Cream Tweedsound 15) insgesamt sehr offen klang, kamen sich die beiden Gitarren klanglich nie in die Quere.

Mir schienen sich die Musiker mit sehr viel gegenseitiger Achtung zu begegnen. Jeder ließ dem anderen ausreichend Raum (und Zeit ...), ordnete seine Begleitung - so einfallsreich diese bei beiden auch war - dem Solisten unter, bereitete diesem ein im besten Sinn dienliches Fundament.

Michael Arlts Besuch in Heidelberg war mal wieder ein Highlight für die Jazz(gitarren)freunde im Rhein-Neckar-Delta. Und nicht nur für diese: Einige Besucher hatten mehr als einhundert Kilometer Fahrt auf sich genommen, um dabei sein zu können. Unter den weit angereisten Besuchern waren auch Studenten der HfM Würzburg. Dies zeigt, dass kleine Jazzclubs wie das Jazzhaus Heidelberg auch eine wichtige Funktion für die Nachwuchsförderung haben. Studierende und andere Interessierte haben hier zum einen die Möglichkeit, ihre Dozenten und andere erstklassige Musiker aus allernächster Nähe im Live-Einsatz zu sehen. Zum anderen bietet Wolfgang Graf in seinem Club schon seit vielen Jahren mit wöchentlichen Sessions, die durch erfahrene Musiker geleitet werden, die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Liveerfahrung zu sammeln - ein Angebot, das z.B. Studierende und Absolventen der Musikhochschule Mannheim (und nicht nur diese) immer gerne annehmen.

Am 9. Januar 2009 ist Stefan Ivan Schäfer von den Jazzpistols bei Christian Eckert zu Gast, am 13. Februar 2009 dann die Hamburger Gitarristin Sandra Hempel, die aktuell auch Lehrbeauftragte für Jazz Combo am Institut für Musik der FH Osnabrück ist. Nicht verpassen!

Websites:

Christian Eckert    Michael Arlt    Jazzhaus Heidelberg

 

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