Archtop-Germany  Konzerte

Torsten Goods Quartett in Köln, Altes Pfandhaus, 05.10.2007
von Stephan Neetenbeek

Torsten Goods. Köln 05.10.2007Für regelmäßige Leser von Archtop-Germany ist Torsten Goods, der 27-jährige Berliner Sänger und Gitarrist, fast schon so etwas wie ein alter Bekannter. Mit seiner furiosen Interpretation von „There Will Never Be Another You“ setzte er eine beeindruckende Marke auf dem Sampler „Solo Archtop Guitar“, lesenswert ist auch das Interview, das Andreas Polte mit dem emporstrebenden Künstler 2006 führte.

Seitdem hat Torsten Goods seinen Weg konsequent weiter verfolgt, hat bei ACT seine erste CD bei einem Majorlabel veröffentlicht und ist aus der fränkischen Provinz in die Hauptstadt und Musikmetropole Berlin gezogen.

Die aktuelle CD „Irish Heart“ wartet zudem mit einem ganz besonderen Konzept auf: Songs aus und über Nordirland, der Heimat seiner Mutter, hat Goods jazzig rearrangiert und unnachahmlich lässig eingespielt und gesungen, bisweilen auch souverän von der Power einer Bigband getrieben.

Bei der Liveumsetzung dieses Programms muss Goods natürlich auf die große Besetzung verzichten, sein eingespieltes Quartett setzt die Songs aber souverän im intimen Rahmen des alten Pfandhaus in Köln um.

Torsten Goods. Köln 05.10.2007Goods beginnt mit dem lässigen Swing seines eigenen Songs „Sweet North“ ganz ungeschminkt mit einer Solo-Einleitung auf seiner blauen Keller-Archtop, bevor seine hervorragende Rhythmusgruppe mit Jean Miserre am Piano, Bassist Marco Kühnl und Christoph Huber am Schlagzeug im Chorus straight swingend einsetzt. Die Leichtigkeit der Musik lässt den Zuhörer beinahe über den nachdenklichen Text hinweghören, in dem Goods sich mit der Angst vor dem Terrorismus im Nordirland der siebziger und achtziger Jahre beschäftigt, einer permanenten Gefährdung, die seine Eltern damals nach Deutschland trieb.

Mit Van Morissons soulig gespieltem „No Religion“ führt Goods darauf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Liebe und Hass mit einem anderen Fokus weiter: Einfache Antworten gibt es nicht, der Erlöser lässt weiterhin auf sich warten. Solange müssen wir es halt selbst auf die Reihe bekommen. Das Torsten Goods Quartett lässt indes keinen Zweifel daran, dass es seine Musik auf die Reihe bekommt, derart locker gespielter Souljazz ist rar im Land der Dichter und Denker.

Torsten Goods. Köln 05.10.2007Mit einer gefühlvollen Version des Traditionals „Carrickfergus“ zeigen Goods und seine Mitstreiter, dass schöne Jazzmelodien durchaus aus Irland kommen können, was Goods später noch mit seiner Soloimprovisation über das populäre Liebeslied „Danny Boy“ unterstreicht. Goods’ Soli sind nie auf einen Showeffekt oder die Demonstration seiner (beachtlichen) Chops angelegt – er entwickelt eher melodische Ideen und spinnt diese dann logisch weiter. Nicht nur wenn er in George Benson-Manier seine Gitarre mit seiner Stimme im Scat-Stil doppelt, ist ein gesangliches Element in seinem Stil auszumachen.

Als Sänger gibt Torsten Goods den gepflegten Crooner, der sich nicht scheut, extrem gefühlvolle Songs wie „Have I Told You Lately That I Love You“ anzustimmen und dabei auch schon mal haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbeizuschrammen. Hier ist es besonders Jean Miserre zu verdanken, der selbst eine so slicke und im Popbetrieb verbrauchte Vorlage mit jazzigen Voicings und geschmackvollen Einwürfen zu gestalten weiß, dass diese Grenze dann so eben doch nicht überschritten wird.

Torsten Goods. Köln 05.10.2007Miserre ist denn auch als Solist dem Leader völlig ebenbürtig – diese musikalische Partnerschaft lässt für die Zukunft noch einiges erhoffen – und vermag einige besondere Momente zu setzen, etwa in seiner furiosen Improvisation über dem Tanzshow-Hit „Riverdance“, während Kühnl und Huber sich in diesem Quartett als solide und unaufdringliche Begleiter bewähren, im positiven Sinne legen sie ein belastbares Fundament und kommen den Solisten nicht in die Quere.

Das Torsten Goods Quartett kann an diesem Abend jedenfalls sein Publikum gut unterhalten und schließt den Kreis in der Zugabe wieder mit einer Swing-Nummer: „Style Is Back In Style“.

Von Goods werden wir bestimmt in der Zukunft noch viel Gutes hören.

Stephan Neetenbeek

 

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