Archtop-Germany  Special

Mit Jimmy Smith auf Tour - einige Anekdoten von Paulo Morello

Morello_jimmysmithundwoodyPaulo Morello gehört zur Creme der europäischen Archtop-Spieler. Bekannt geworden ist er insbesondere durch sein Projekt “Bossa Nova Legends”, mit dem er zwei sehr schöne CDs eingespielt hat. Auch seine Zusammenarbeit mit Greetje Kauffeld und Paul Kuhn war bemerkenswert.

Kaum jemand weiß jedoch, dass er 2004 für einige Konzerte in der Schweiz, der Gitarrist in der Band von Orgel-Legende Jimmy Schmith war. Er war somit der dritte weiße Gitarrist, der diesen Job machen durfte (nach Larry Coryell und Pat Martino). Dass man es bei Jimmy Smith nicht gerade leicht hat, ist vielen sicherlich bekannt... am Rande eines Treffens zum Jammen und Paella-Essen erzählte Paulo ein paar lustige Anekdoten von dieser Tour...

”Also, es war die letzte Jimmy Smith Tour in Europa 2004, da bin ich zufällig dazu gekommen; die Agentur, die die Tour für Jimmy gebucht hatte, hatte mich angerufen, ob ich Zeit hätte... ich hatte. Mark Whitfield, der eigentlich zu der Zeit diesen Job hatte, hatte nämlich gerade keine Zeit.

Ich komme also an, sie sitzen da, Jimmy Smith und Jimmy Woodie gerade beim Kaffe trinken. Ich beteiligte mich am Gespräch und habe Jimmy Smith gefragt, wie das so war, mit diesen ganzen Gitarrenlegenden wie Wes, Kenny Burrell, Pat Martino usw. zu spielen. Jimmy meinte dazu: “I told them how to play”. Als ich fragte, welche Stücke denn am Abend gespielt werden würden, sagte er “You´ll hear it”. Das war also der Einstieg und ich dachte mir, dass das richtig hart wird. (lacht laut)

Er wusste ja, dass ich aus Deutschland komme und da war der gleiche Tourmanager dabei, mit dem ich schon die Bossa Nova Legends gemacht hatte. Der wollte mir eben einen netten Einstand geben. Er hat Jimmy dann von den Bossa Nova Legends erzählt und das Bossa und Latin eben eine meiner Spezialitäten sei. Jimmy: “Not tonight”.

Nach dem Abendessen sind wir auf die Bühne und ich wusste echt noch gar nichts! Dann ging es einfach los. Bei den einzelnen Stücken hat er auch gar nicht angesagt, welches als nächstes kommen würde; er hat einfach angefangen zu spielen und ich musste halt mit. Ich hatte echt Dusel dabei; bei den drei Gigs gab es nur einmal ein Stück, das ich nicht kannte. Da hab´ ich mich dann halt durchgemogelt. :-). Ansonsten war´s halt 50% Blues in verschiedenen Abwandlungen; Du kennst ja das Jimmy-Smith-Repertoire. Aber Du kannst Dir ja vorstellen, wie ich da geschwitzt hab´.

Morello_ivejimmyMan spielt da mit einer Legende, die das Heft absolut in der Hand hält, man soll tollspielen, gut klingen aber man weiß eben nicht was... blöder geht´s echt nicht.

Er spielt z.B ein Intro, man sucht sich Tonart und Rhythmus und überlegt, welches Stück das wohl werden wird und er: „A child is born. Play Melodie!” und zack! Was hätte ich wohl gemacht, wenn ich das Stück gar nicht gekannt hätte...

Nach dem dritten Stück hat er dann angesagt, dass ich irgendwo aus Brazilien stamme und dass ich nun ein Stück Solo spielen würde. Ich wusste aber nun gar nicht, dass ich auch Solo spielen sollte. Zum Glück mache ich das eh´ immer zu Hause. Ich hab halt irgendeine Ballade gespielt.

Morello_smithLiveAm nächsten Tag dachte ich mir, dass das nun wieder passieren würde und hab´ das Stück schön vorbereitet. Am Abend kam´s dann wieder zu dem Moment, an dem ich das Featuring hatte, Jimmy sagt mich an und dann raunt er zu mir: “Play something different”. Ich hab´s echt nicht geglaubt.

Das war schon krass; ich habe mir danach vorgenommen, mich über nichts mehr aufzuregen...
 

Am nächsten Tag hieß es, dass wir eine Probe machen würden. Also gut. Was war in der Probe? Slow Blues in G und ich sollte Solo spielen. Ok, ich spiele und spiele bin schon im fünften Chorus und Jimmy: “One more, man”, “One more”. Ich hatte auf die Uhr geschaut, nach 20 Minuten Blues in G wusste ich nicht mehr so recht was ich  noch spielen sollte. Danach hat er dann einen kurzen Chorus gespielt und dann: “Paulo, play you again.” Danach war dann die Probe zu Ende.

Bei der Verabschiedung hat er mich in den Arm genommen und gesagt: “Paulo, don´t eat too much.” Als nach Hause gefahren bin, bin ich mir vorgekommen, als hätte ich eine Raumfahrt mitgemacht... Es war schon ein Erlebnis, mit solchen Legenden zu spielen. Du hörst Dinge, die nicht im Jazz-Lexikon stehen, wenn sie sich über einen Gig damals mit Louis Armstong unterhalten oder so."

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