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Lorenzo Petrocca Trio, Rosenheim, Le Pirate, 15.10.2007
 

Petrocca_TrioWenn man Lorenzo Petrocca von seinen CDs her kennt, oder mit ihm in seinem Proberaum mal ein wenig jammen konnte, ist man doch ganz überrascht, mit welcher noch dichteren Intensität er live auf der Bühne, natürlich besonders in der Besetzung von Gitarre, Bass und Schlagzeug, zu Werke geht. So auch im “Le Pirate”, Rosenheims “Jazz-Wohnzimmer”.

Lorenzo Petrocca zählt zu den ganz besonderen Gitarristen, nicht nur hierzulande; er hat es auch geschafft, sich international eine Fangemeinde zu erspielen. Das liegt nicht nur in seiner ungewöhnlichen Karriere begründet, die aus einem Meisterboxer einen Spitzengitarristen werden ließ. Nein; Lorenzo ist ganz einfach ein wirklich hervorragender Musiker.

Dies stellte er einmal mehr in Rosenheim im Rahmen der Kleinkunsttage unter Beweis. Locker agierend, mit unbeweglicher Miene sein Trio führend, zaubert er auf seiner Sonntag 17’’ Elektra für das Publikum: Akkordisch geführte Themen, rasant-melodiose Soli und vor allem seine furiosen Akkordsoli, die er in dieser Besetzung natürlich ganz besonders einsetzen kann. Jens Loh am Kontrabass und Patrick Manzecchi am Schlagzeug sind Musiker von jener Qualität, die dem Solisten mühelos überall hin folgen, jede vertrackte rhythmische Figur aufnehmen können und trotzdem eigenständig in ihren musikalischen Ideen sind. Das Trio an sich wirkt also sehr dicht und kreativ; so soll es ja auch sein.

Petrocca_LoheDas erste Set stand eher im Zeichen von Lorenzos Eigenkompositionen: “Ich habe eben eine kreative Phase”, entschuldigt er sich schlitzohrig beim Publikum, um das nächste Stück aus eigener Feder zu beginnen. Diese Stücke sind ausnahmslos hervorragende Werke; natürlich für die Gitarre maßgeschneidert.

Besonders hervorheben muss man “Milan in Minor”, einem Mollblues, mit dem das Konzert begann, oder die Ballade “Eight bars of beauty”, einem wunderbar vertrackt-harmonischen Stück, dem der für viele Jazzkompositionen typische Mittelteil; die “Bridge”, fehlt. “Mir ist einfach keine passende Bridge eingefallen”, schmunzelt Petrocca. Macht nichts; wirklich.

Apropos Balladen: Die sind von Jeher eine von Lorenzos Vorlieben. Man denke nur beispielsweise an seine ausgesprochen schöne CD “Ballads” aus dem Jahre 2004. Auch in Rosenheim hatte er einige davon für das Publikum parat; alle mit Liebe zur Langsamkeit und harmonischer Finesse zelebriert.

Petrocca_ManzecchiDen spannenden Soli von Lorenzo folgten ebenso interessante Einlagen seiner Mitspieler: Jens Loh erweist sich als unglaublich melodiöser Solist, der seine Linien vernehmlich mitsingt und über ein komplexes harmonisches Wissen verfügt, findet er doch in seiner Improvisation immer die ganz besonders schönen Töne...

Patrick Manzecchi ist nicht nur als mit besonders offenen Ohren gesegneter Begleiter hörenswert; seine Drumsoli haben allerhöchsten Stellenwert, besonders furios sein Feuerwerk im flott gespielten “Cherokee” oder sein diszipliniert aufgebautes Solo über “Road Song”.

Standards; das war dann auch eher das Thema; oder besser, die Themen im zweiten Set des Konzertes. In diesen Set spielte sich das Trio nochmal eine Stufe nach vorn, gab noch einmal mehr Gas.

Petrocca_SetupEine ganz besonders freundlich-kollegiale Geste Manzecchis war es, dem anwesenden bekannten Schlagzeuger Michael Keul für ein Stück sein Drumset anzubieten. “Billie’s Bounce” hatte ein ganz anderes eigenes Feeling deswegen. Besonders Petrocca konnte die Soli gar nicht erwarten, er stürzte sich nach dem Thema kopfüber gleich in mehrere fantastische Akkorssoli-Chorusse, druckvoll und mit echtem Verve.

Auch mit Michael Keul harmonierte das Trio angenehm; kein Wunder, Lorenzo und Michael sind Freunde und hatten oft genug Gelegenheit miteinander zu spielen.

Lorenzo Petrocca ist auf jeden Fall einen Konzertbesuch wert. Wer ihn noch nicht live gesehen hat, sollte dies baldmöglichst nachholen.

Andreas Polte 16.10.2007

 

PS: Man kann gar nicht oft genug ein “Dankeschön” an die Chefin des “Piraten”, Petra Miller, sagen. Mal abgesehen vom familiär freundlichen Ambiente des Lokals, in dem sich Musiker und Publikum ausgesprochen wohl fühlen, ist es für eine Stadt der Größe Rosenheims eher ungewöhnlich, ein solch abwechslungsreiches und vielgestaltiges Jazzprogramm zu haben.   Le Pirate Website.

 

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