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Archtop-Germany Konzerte Ansgar Specht Group am 29.03.2008 im Jazzclub Bamberg von Kurt Schrettenbrunner
Nahezu alles Altbackene hat Ansgar hinter sich gelassen und bringt frischen Wind, Spaß und gute Laune in die Clubs: die ausgeprägte Fusion-Besetzung mit Saxes, Keyboards, E-Baß, Schlagzeug und Gitarre kommt dabei noch am vertrautesten. Die Stücke stammen fast alle aus der Feder des Bandleaders und tragen auch seine Handschrift: Themen von anspruchsvoller Rhythmik und Melodieführung, ihre Motive von leicht ohrgängig bis sperrig, über treibende Grooves gesetzt, tanzbar, funky mit einer Dosis Drum'n'Bass. Alles in bewußt gestaltete Arrangements verpackt, die dennoch ausreichend Platz für improvisiertes Solospiel lassen. Die Band wurde als Grenzgang zwischen Jazz, Fusion, NuJazz und Lounge angekündigt, und dem ist zur Beschreibung des Stils nichts hinzuzufügen. Die Ansgar Specht Group existiert bereits seit einigen Jahren, die Musiker sind eingespielt. Die präzisen Arrangements machen dies auch erforderlich. Norbert Wilke am Schlagwerk trieb mit sicherer Hand (und Fuß) und kraftvollem Puls an - Fusion erfordert auch eine gewisse Mindestlautstärke. Peppig-frickelige Lines mit dem knorrigen Fretless-E-Baß-Sound von Reinhard Glowazke ergänzten die Grooves. An den Keyboards spielte Tom Exzternest, ein langjähriger Weggefährte, sehr banddienlich und unaufdringlich, gefiel aber auch durch Solis, einen gelungenen Kompositionsbeitrag und nicht zuletzt duch witzige Ansagen. Kai Niedermeier an den Saxes ist das frischeste Mitglied der Band, macht dies aber durch seine enorme Musikalität und sein Können am Horn mehr als wett. Er wußte durch seine sehr energetischen Soli voll zu überzeugen. Als zweiter, oder eigentlich erster Hauptsolist fungiert natürlich Ansgar Specht. Seiner Gitarre, einer "Sweet 16" aus der Manufaktur "The Heritage", entlockte er in beeindruckend virtuoser Manier nicht nur süße Töne: Ansgar hat ein spürbares Faible für kontrolliertes Outside-Spiel - harmonisch wie rhythmisch. Derlei befremdene und verblüffende Elemente sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack - mir gefällt's! Der Gitarrensound liegt ebenfalls "outside" des Archtop-Üblichen: nur aus dem Hals-Humbucker - dem einzigen Pickup der Sweet 16 - wird ein kleiner MesaBoogie .22 Caliber-Combo gespeist, dessen Klangeinstellung, unterstützt durch einen Compession Sustainer und einen als Booster eingesetzten Equalizer, sich ebenfalls im Grenzgebiet bewegt: zwischen Clean und EL84-Röhrenzerre. Als dritte Bodentretmine sorgt ein Delay bei Bedarf für spacigen Extra-Pep. Der 12"-Speaker im 22-Watt-Röhrencombo wäre natürlich leicht in der Lage, den kleinen Club zu beschallen. Um sich gegen das druckvolle Schlagzeug und das Keyboard durchzusetzen ist auch ein gewisser Pegel an Gitarrenverstärkung notwendig. Dem Feedbackproblem begegnete Ansgar sehr pragmatisch durch einen größeren Abstand vom Amp - soweit ihn die Bühne hergab - und durch Abnahme desselben per Mikro und Nutzung der PA. Und natürlich auch durch Hilfe der oben erwähnten Effekte. Warum sich nicht die Technik zunutze machen, wenn es die Musik erfordert? Ansgar ist kein Purist und hat auch kein Problem, für das eine oder andere Stück seine Archtop abzustellen und zur Strat zu greifen. Vielseitigkeit erfordert ein gewisses Maß an diversen Registern - der technische Aufwand blieb gleichwohl angenehm bescheiden. Natürlich findet der kritische Hörer auch Ansatzpunkte zum Negativen. In einigen Passagen hegte ich den leisen Wunsch an den Schlagzeuger, den Solisten mehr Platz zur Entfaltung einzuräumen - und an die Solisten, diesen Platz auch einzufordern, um nicht gleich von Anfang an alle Briketts auflegen zu müssen. Bei aller Virtuosität und motivischem Repertoire - der Zuhörer möchte auf die Reise step by step mitgenommen werden. Die Komplexität der Eigenkompositionen raubt etwas die Energie und den Spielfluß - auf Kosten der Expressivität, Interaktion und Kommunikation zwischen den Musikern. Bei den drei Standards, die das Quintett zum Besten gab (Bruno Martinos Estate, Wayne Shorters Footprints und Wes Montgomerys Road Song), fand ich die energetische Handbremse nicht mehr angezogen. Dabei hätten die Musiker allesamt das Potential, sich auch bei den Eigenkompositionen auf leicht experimentellere Abläufe einzulassen; die Arrangements geraten dagegen ein bißchen zur Kontrolle der Musikstücke - weniger wäre manchmal mehr. Fazit: Alles in Allem ein gelungener Abend. Die Musiker hatten Spaß und verstanden es, ihn auch auf das Publikum zu übertragen. Ansgar Specht hat mit seiner Band ein stimmiges Konzept und als Bandleader und Komponist genügend Kreativität für dessen Umsetzung. Mit einer Fusion-Band, rein instrumental, in diesen Zeiten des schlimmen Musik-Kommerzes konsequent anzutreten ist meines Erachtens allein schon Avantgarde. Dies mit einer klassischen Archtop zu wagen entlockt darüber hinaus auch dem einen oder anderen Fachmann hochgezogene Augenbrauen. Gut, wenn - nein: daß das Konzept aufgeht. Ansgar war sicher nicht das letzte Mal zu Gast in Bamberg. (Kurt Schrettenbrunner
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