Archtop-Germany     Konzertberichte

Ingmar Winkler Quartett, 25. Februar 2010, Hinterzarten
von Dr. Michael Herweg

WinklerEine eigenständige und interessante Klangfarbe des modernen 'elektrischen' Jazz hat der südbadische Gitarrist Ingmar Winkler mit seinem Quartett am 25. Februar 2010 in Hinterzarten, hoch oben über Freiburg im Hochschwarzwald, präsentiert. Gemeinsam mit Holger Rohn (ts, ss), German Klaiber (b) und Matthias Daneck (d) bot Ingmar Winkler ein Programm mit ausschließlich eigenen Kompositionen. Winklers Kompositionen sind sehr organisch, mit gesanglichen Themen – hier darf man gerne von Melodien sprechen – auf zugänglichem und einprägsamem harmonischen Gerüst, dazu äußerst rhythmusbetont, mit der ganzen Bandbreite von Latin- und Funk-basierten Grooves. Die Stücke sind frei von jeglicher Konstruiertheit, stilistisch abwechslungsreich – da kommen sogar mal Anklänge an den legendären Surf Sound zu Ohren - und im besten Sinn unterhaltsam.

Eine Art Markenzeichen ist die Vorstellung der Themen im Unisono von Saxophon und Gitarre. Dadurch, dass Ingmar Winkler die Saxophonstimme von Holger Rohn konsequent doppelt – nicht nur linear, sondern oft auch akkordisch gestützt -, wird schon bei moderater Lautstärke ein sehr voller, satter Sound erzielt (meine Begleitung bemerkte dazu, man meine mitunter, Bigband-Stimmen en miniature zu hören). Die Stücke sind durchweg intelligent arrangiert und präzise auf den Punkt gespielt. Die Improvisationen von Holger Rohn und Ingmar Winkler sind einfallsreich, gut strukturiert und jederzeit nachvollziehbar. German Klaiber liefert, an diesem Abend passend mit E-Bass ausgestattet, dazu den rhythmisch stabilen, aber immer straff voranschreitenden Puls. Matthias Daneck spielt äußerst akzentuiert, setzt sein Schlagzeug immer wieder als Klanginstrument ein, dessen Farben zu einem homogenen Gruppensound mit hohem Wiedererkennungswert beitragen.

Und Ingmar Winklers Gitarre? Nein, keine Archtop ... Vielmehr eine flache Hollowbody im Telecaster Shape ... Aber: definitiv Jazz, wenn auch in der heißeren Variante! Es handelt sich um eine wunderschön anzuschauende, handwerklich ausgezeichnet gearbeitete Television von Stefan Schottmüller (http://www.schottmueller-guitars.de/), auf Wunsch von Ingmar mit zwei Häussel Pickups ausgestattet - eine Ausstattung, die Stefan Schottmüller standardmäßig für seine Solidbody Telemax vorsieht. Mit den 2 Tonabnehmern hat Ingmar übrigens dieselbe Wahl getroffen wie John Abercrombie, der nach einem Erstkontakt in Basel mittlerweile auch eine Schottmüller Television spielt, so wie auch Kurt Rosenwinkel bereits mit einer Television auf Tour war.

Trotz seines eindeutig elektrischen Ansatzes setzt Ingmar Winkler Effekte durchaus sparsam ein, moduliert den Ton mehr mit Fingern und Anschlag sowie auch mal durch dezentes Schwingen des Gitarrenhalses oder des ganzen Instruments. Genüsslich macht er dabei von dem auffällig guten Sustain Gebrauch, das ihm die Television bietet. Bei der Tongestaltung kommt Ingmar Winkler sicher auch zugute, dass er sich bestens mit dem Spiel der klassischen Moderne lateinamerikanischer Gitarrenmusik (Barrios, Lauro, Brouwer u.a.) auskennt.

Das Publikum genoss überaus aufmerksam den kurzweiligen und anregenden Abend bei besten Klang- und Sichtvoraussetzungen im Konzertsaal der Internatsschule Birklehof, wo der Auftritt in der Reihe der 'Konzerte am Donnerstag Abend' stattfand.

Weitere Infos zum Ingmar Winkler Quartett und weiteren Projekten, inklusive Musikbeispielen, unter www.ingmarwinkler.de.

Dr. Michael Herweg
 

 

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