Archtop-Germany    Praxisbericht

 

Bericht über die Überholung einer 47´ er Gibson L5
von JoachimSchoenecker

Als ich vor einigen Wochen zufällig bei Beyer´s Music in Köln auf eine 47´er Gibson L5 ohne Cutaway gestoßen bin, war mir sofort klar, dass dies die bestklingende Archtop Gitarre ist, die ich bisher in den Händen gehabt habe.

GibsonL5_frontAußer ein paar kleinen altersgemäßen Lackschäden schien mir die Gitarre in einem hervorragenden Zustand zu sein. Außerdem war sie im Original Koffer und mit dem viel gesuchten Gibson McCarthy L-7 Floating Pickup bestückt.

Ich bin mit der Gitarre sofort zu Ali Claudi gefahren, der sich seit einiger Zeit um die Wartung meiner Archtops kümmert (zu meiner größten Zufriedenheit übrigens, das sollte hier nicht unerwähnt bleiben...), um das Instrument auf Herz und Nieren zu prüfen.

Er zeigte sich genau so begeistert wie ich, die Gitarre war in einem außergewöhnlich guten Zustand.

Also bin ich zurück nach Köln und habe sie sofort gekauft.Nun ging es darum, das Instrument für mich alltagstauglich zu machen.

Die Bünde mussten überarbeitet werden, der Hals neu eingestellt, ich wollte einen anderen Pickup, der mehr nach Humbucker klingt, und somit brauchte ich auch ein neues Pickguard.

GibsonL5_backAls größtes Problem erwies sich der Pickup, da ich keinen üblichen Floating Pickup wollte -auf meinen großen Archtops bin ich damit nie wirklich zufrieden gewesen- sondern etwas, dass die Tiefe und Wärme eines vollen Gibson Humbuckers hat.

 Für einen großen Humbucker war nicht genug Platz und aufsägen wollte ich die Decke auch nicht. Ali riet mir zu einem ‚Dommenget Jazzbucker’. Den wollte er mit Silicon direkt auf der Decke fixieren, für eine Befestigung am Pickguard hätte man dieses zu nahe an den Saiten anbringen müssen, und unnötig in den Hals bohren wollten wir beide nicht.

Ein neues Pickguard habe ich dann bei Daniel Slaman in Holland bestellt, ist auch sehr schön geworden. (Vielen Dank auch für die schnelle Lieferung!)

Als ich alles zusammen hatte bin ich zu Ali Claudi gefahren und wir haben in einer 7-stündigen Marathonsitzung dann getan was zu tun war ;-)

Die Hälfte der Zeit haben wir damit verbracht den Hals einzustellen, die Bünde abzurichten und die Saitenhöhe festzulegen. Ali hat unglaublich genau gearbeitet und ich habe noch nie eine solche Gitarre besessen, auf der ich bei jedem Ton die gleiche Anschlagsdynamik zur Verfügung habe, ohne dass ich mich zurücknehmen muss, weil irgendeine Saite anfängt zu schnarren.

GibsonL5_headDanach hat er das Pickguard für den Pickup ausgesägt, dann haben wir den Pickup provisorisch befestigt um die Polepieces einzustellen. Als das geklärt war wurde der Pickup mit Silicon befestigt und das Pickguard angebracht und justiert. Zum Schluss haben wir noch ein Loch in die Zarge gebohrt um die Eingangsbuchse für das Gitarrenkabel zu befestigen.

Das Ergebnis ist sensationell. Die Gitarre hat eine unvergleichliche Wärme, Tiefe und Dynamik, der Klang ist sehr ausgeglichen und voluminös vom tiefsten bis zum höchsten Ton und das Griffbrett ist 100%ig auf meine Spielweise abgerichtet.Da verzichte ich auch gerne auf den Cutaway.

Und der Dommenget Pickup ist ein Hammer! Er kommt einem Humbucker sehr nahe, ist aber mit seinen Schaltmöglichkeiten zwischen Singlecoil, Humbucker und Mischen von beiden eine Klasse für sich.

Vielen Dank noch mal an Ali Claudi, ohne dessen Erfahrung, Beratung und große Einsatzbereitschaft ich sicherlich nicht zu einem solch überzeugenden Ergebnis gekommen wäre.

(Der McCarthy Pickup und das Lifton Case stehen übrigens zum Verkauf in den Kleinanzeigen)

Joachim Schoenecker

 

Joachim Schoenecker     Ali Claudi      Dommenget

 

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