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Archtop-Germany Interviews Ali Claudi |
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Ali, Wie bist du überhaupt auf Archtops gekommen? Als ich anfing, gab es nichts Anderes, was bezahlbar gewesen wäre. Meine Erste war eine Framus “Sorella”. Ich habe zwar zwischendurch auch Semiacoustics, wie Gibson ES 335, ES 355, ES 225 und Gretsch gespielt, bin aber immer wieder zu den dicken Archtops zurückgekehrt. Welchen Stellenwert nehmen Archtops, gemessen an deinem gesamten öffentlichen Gitarrenspiel, ein? Fast 100%. Welche Archtops besitzt du derzeit? Gibson L4, Dommenget “Governor”, Slaman “Ali Claudi Personal Model”, D´Angelico “New Yorker II” (18´´) |
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Welche von deinen Archtops ist dein Favorit im musikalischen Einsatz und warum? Das richtet sich nach Einsatzort (Club, Bühne, Open Air)und nach der Band (Trio, Quartett, mit Piano/Orgel) oder Bläsern. Erklärst du das ein bisschen genauer? Nach welchen Kriterien entscheidest du das? Wenn ich sehr laut spielen muss, z.B. Open Air oder auf großen Bühnen, nehme ich gerne die flachere Slaman. Ansonsten im Trio -wegen des satten Sounds- die D´Angelico oder die Dommenget. Wichtig ist auch die Pickupbestückung. Mit einem Piano oder einer Orgel gespielt setzt sich ein Singlecoil besser in den Bässen durch. Welche Saiten spielst du auf deinen Gitarren? 011-049 Round Wound von GHS, Earnie Ball oder Fender. Welchen Amp bevorzugst du im Livebetrieb für deinen Archtop-Sound? Röhrenamps ca. 40 Watt, Class A, meistens Kendrick/USA oder Fender Bassbreaker, Class A/B. Alle modifiziert. Der Kendrik hat einen legendären Ruf. Was macht ihn zu so etwas besonderem und welche Modifikationen machst du an den Amps? Ich habe den Kendrik 1992 als Nummer 003 aus den USA bezogen und mit seinem Erbauer, G. Weber, die Röhrenbestückung besprochen. Dann hat sich mein Freund B. Gillrath (Röhrenamp-Spezialist) der Schaltung angenommen und noch bessere Kondensatoren eingebaut und besondere Endstufenröhren eingesetzt. Auch die Vorstufenröhre (wichtig für Sound und Ansprache) wurde erneuert mit einem besonderen new-old-stock-model. Die Klangregelung erhielt eine bessere Spreizung etc. Der Amp klingt einfach sehr dynamisch, lebendig und gibt die eigene Spielweise genau wieder. Wie nimmst du deine Archtops für Aufnahmen im Studio gerne ab? Nur über Amp und Mikro davor. Welches ist die beste Archtop, die du je in der Hand hattest? Es waren Drei: Eine 1982er Gibson L5 (blond), eine 1982er Gibson Super 400 (es ist das Instrument, das Du jetzt besitzt), meine jetzige DÁngelico New Yorker II. Und natürlich auch meine Slaman. |
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Ich hatte fast 150 und ca. 80 Allerbeste davon. Benedetto wäre noch ganz nett, aber nicht unbedingt notwendig. Ja, es ist in der Szene bekannt, dass du sehr viele Archtops hattest und in diesem Thema absolut kompetent bist. Welche Ratschläge kannst du jemand geben, der erstmalig eine Archtop kaufen möchte? Achtet bitte auf gerade, harte und unelastische Hälse. Die Maserung bei Fichtendecken sollte relativ eng sein, ca 1,5 mm oder enger. Die Decke sollte gleichmäßig gewölbt sein; denn manchmal ist sie am Steg etwas flach oder eingesunken; dann sind innen Bassbalken lose. Das habe ich mehrfach erlebt. Die Gitarre klingt dann auch matt und hat kaum Sustain. Die Dead-Spots sollten sich in Grenzen halten. Kontrolliert den Sound; eine Fichtendecken-Archtop sollte schon Brillianz und Bass haben und bis in die obersten Lagen einiges an Sustain. Checkt auch die Seriennummern und die eingeklebten Labels. Im Zweifel lasst euch von Fachleuten beraten. Die findet man aber selten in Musikläden. Eine alte Gitarre mit vielen Spielspuren und Lackabnutzungen deutet auf ein geliebtes und vielgespieltes Instrument hin, das meistens gut und warm klingt. Ali, du bist bekannt wie ein "Bunter Hund", gehörst zum Jazzguitar-Urgestein in Deutschland neben Coco Schumann, Thomas Buhe, Volker Kriegel mit dazu. Verrate uns dein Geburtsdatum und wann und wie du mit den Archtops angefangen hast. Ich bin am 17.10.1942 geboren. Meine erste Archtop hatte ich 1959. In deinem prägnanten und wiedererkennbarem Stil ist eine gehörige Portion Blues enthalten. Erzählst du uns etwas über deine musikalischen Einflüsse? Die Lieblingsgitarristen meiner frühen Jahre waren Herb Ellis und Kenny Burrell, daneben aber auch T.Bone Walker, Eric Gale, der frühe George Benson und J.J. Cale. Wie lange bist du jetzt schon auf deutschen und internationalen Bühnen präsent? Kannst du dich noch an dein erstes Konzert erinnern? Ich spielte seit ca. 1960 viel in Clubs und öffentlichen Veranstaltungen. So richtig los ging alles ab 1962, als ich nach Köln ging, eine lebhafte Szene. Das erste Konzert ist mir nicht mehr so geläufig. Welche Konzerte sind dir in besonderer Erinnerung geblieben? Ab 1964, als ich bereits drei Bands hatte (u.a. die Boogie-Woogie-Company) kamen größere Jazzkonzerte und Rundfunk und viel Fernsehen hinzu. Die schönsten Konzerte waren 1965, das größte europäische Jazzfestival in Comblain la Tour (Belgien), ca 50.000 Zuhörer; 1969 Berliner Jazztage; Maastricht; Brüssel; Jazz am Rhein in Köln; Leverkusener Jazztage (12 mal). Inzwischen sind es ca. 5.000 Konzerte in meinem Leben. Du bist nicht nur ein guter Gitarrist, sondern auch ein ausgesprochen findiger und erfahrener Archtop-Reparateur und -Modifizierer. Wie kam es dazu? |
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Hals richten, Bünde egalisieren, Bundkanten runden, Sattel tiefer schneiden, Steg an die Griffbrettrundung angepasst nachschneiden, Klangverbesserung durch Stegänderung, PU-Befestigung, Auswuchten der Decke, Schaltungsänderungen usw. Das Wichtigste sind dabei aber spezielle Lösungen für besondere Probleme. Das ist meine Stärke. Kennst du die Biographien von Coco Schumann und Thomas Buhe? Denkst du über eine Autobiographie, vielleicht gewürzt mit Reparaturtips nach? Ich bin viel zu faul, um eine Autobiographie zu schreiben. (21.05.2005) |
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