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Archtop-Germany Interviews Dietmar Osterburg
Alexander Schmitz bezeichnet Osterburg als “Glücksfall” und “seltetenen Treffer”. Bei der Ausscheidung zu CD des Jahres landete die CD auf Platz zwei. Grund genug, ein wenig mehr über Dietmar Osterburg zu Erfahren.
Hallo Dietmar, Musik hat in meinem Elternhaus immer eine große Rolle gespielt. Ich habe mit sieben Jahren Geigenunterricht bekommen und bin gut zehn Jahre auch dabei geblieben, habe oft bei "Jugend musiziert" teilgenommen und viel in Orchestern gespielt. Mit achtzehn habe ich dann mit dem Gitarrespielen begonnen und mich für Jazz interessiert. Bis dahin war meine musikalische Ausbildung allein auf den klassischen Bereich beschränkt. In den ersten Jahren habe ich Gitarre autodidaktisch gelernt, weil es in Braunschweig keinen Lehrer gab. Musiker war in dieser Zeit noch nicht mein Berufsziel. Dazu kam es erst einige Jahre später, als ich in Hamburg ein Lehramtstudium aufgenommen hatte und sehr guten Privatunterricht für Jazzgitarre bei Thomas Bostelmann und Richard Schumacher erhielt. Die Musik rückte für mich zunehmend in den Mittelpunkt. Ich habe viel geübt, und mein Studium litt dadurch. So habe ich schließlich das Lehramtstudium abgebrochen, um Musik zu studieren. Das hast Du, soweit ich weiß, aber nicht in Hamburg gemacht? Stimmt, Musik habe ich in Hilversum und Hannover studiert. Nach einem Jahr in Hilversum bei Henk Sprenger setzte ich mein Studium in Hannover bei Thomas Brendgens-Mönkemeyer fort. Dazu kam noch der Kontrabassunterricht bei Detlev Beier. Außer Gitarre hast Du ja auch noch Kontrabass studiert und gepielt. War das für dich eher schwierig, zwei Instrumente gleichermaßen zu beherrschen? Nein, überhaupt nicht. Ich habe es im Gegenteil immer in jeglicher Hinsicht als Bereicherung empfunden, zwei Instrumente zu spielen. Lass uns da mal ein wenig genauer hinschauen: Inwieweit hilft Dir die Beherrschung des Kontrabasses beim Gitarre spielen und umgekehrt?
Das war allerdings nur in den ersten Jahren so. Heute beschäftige ich mich mit dem Bass aus der Perspektive des Bassisten. Diese verschiedenen Perspektiven prägen mein Selbsverständnis als Musiker, und ich denke auch als Komponist profitiere ich davon. Dagegen hatte der Kontrabass nie einen für mich erkennbaren, direkten Einfluss auf mein Gitarrespiel. Bei den Worten “Einfluss auf Dein Gitarrespiel” frage ich jetzt natürlich nach, was denn da nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Auf Deiner CD sind einige davon hörbar :-) Ich habe mich mit sehr vielen verschiedenen Gitarristen, aber auch Pianisten und Bläsern, auseinandergesetzt und entsprechend vielfältig sind auch meine Einflüsse. Aber es gibt natürlich einige, die ich ganz besonders schätze und die mich am nachhaltigsten beeinflusst haben dürften. An erster Stelle muss ich da Jim Hall nennen, den ich für einen der großartigsten Gitarristen halte. Seine Musik ist von beeindruckender Tiefe und Vollkommenheit, sein Sound ist phantastisch und ich mag seinen unverwechselbaren Stil. Ein weiterer wichtiger Gitarrist war vor allem in den ersten Jahren Pat Metheny. Ich habe ihn damals ständig gehört und durch seine Musik den Jazz erst für mich entdeckt. John Abercrombie ist noch ein Gitarrist, der mir ausgesprochen gut gefällt. Auch er hat einen eigenständigen Sound, spielt sehr geschmackvoll und mit hoher Intensität. Und vielleicht sollte ich noch John Scofield erwähnen, von dem ich auch das eine oder andere Solo transkribiert habe. Neben Gitarristen habe ich außerdem immer besonders gerne Klaviertrios wie etwa die alten Aufnahmen von Bill Evans mit Scott LaFaro am Bass oder die Standards von Keith Jarrett gehört. Ja, das sind einige Einflüsse, die, wie gesagt, auch durchaus hörbar sind in Deinem Spiel. Deine CD “for a while” ist ja auch sehr gut angekommen, zumindest erstmal beim Fachpublikum: Nominierung und 2. Platz bei der “CD des Jahres 2007”, hervorragende Kritiken landauf uns -ab... War das Konzept für die CD von vorhinein klar für Dich oder hat es sich in der Produktion entwickelt? Ja, die Resonanz seitens der Fachpresse auf die CD war phantastisch, was mich natürlich außerordentlich freut und auch ermutigt.
Lass uns mal ein wenig über Dein Equipment reden. Was hast Du im Einsatz? Mein Hauptinstrument ist eine Archtop von Stefan Hahl, ein wunderbares Intrument mit einem tollen Klang. Daneben kommen eine Solid Body des englischen Gitarrenbauers Patrick Eggle, und zwar das Modell "Berlin", und eine nylonsaitige Akustikgitarre von Takamine, eine EAN 650C, zum Einsatz. Ich besitze zwar einige weitere Gitarren, darunter eine alte Gibson ES 150D, auf der Bühne verwende ich zurzeit aber nur die drei genannten Modelle, davon ca. zu 80% die Archtop von Hahl. Auf der Archtop sind 11er Flatwound-Saiten von Thomastik, auf der Patrick Eggle Gitarre 10er von D´Addario. Meine Amps sind seit vielen Jahren von Polytone, für die Akustikgitarre habe ich einen AER. Ich verwende außerdem einige Effektgeräte, vor allem ein Intellifex von Rocktron für Hall, etwas Delay und oft auch einen dezenten Chorus. Daneben kommen ab und zu ein paar Pedale zum Einsatz, etwa ein Drive Master von Marshall für verzerrte Sounds oder ein Dynamic Wah von Boss. (Andreas Polte 16.02.2008)
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