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Archtop-Germany Portraits Thomas Brendgens-Mönkemeyer |
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Es war einmal ein Gitarrist. Der saß in einem norddeutschen Plattenstudio und machte ganz alleine Aufnahmen. Aber als er sieben von 14 eingespielt hatte, da sprach eine innere Stimme: "Hör mal, du spielst ja wohl nur noch Müll. Morgen bringst du deinen Verstärker mit!" Aber am nächsten Morgen, da sagt die innere Stimme: "Tu's nicht. Fahr' ohne hin." Und so geschah es. Und herausgekommen ist, im Herbst 2001, eine wunderschöne Solo-Gitarren-CD, die ihren Namen zu recht trägt - "Beauty". Geschaffen hat sie Thomas Brendgens-Mönkemeyer (dessen zweiter Name der seiner Frau ist), 1952 in Bochum geboren und zur Großfamilie jener berühmten unbekannten Künstler gehört, die Amerikaner gern als "talent deserving wider recognition" beschreiben. Stimmt hier wirklich, und das nicht nur, weil er ein Künstler, sondern als dazu ein eher untypischer ist: außen eher konservativ, tiefer drin einer, der zusammenwachsen lassen kann, was (eigentlich) gar nicht zusammengehört: Und: Er ist Lehrer. Und beides, Gitarrist und Pädagoge, ist er zu gleichen Teilen. "Immer schon" interessiert er sich "für Musik", betont er - null Schubladen. Bekommt schon gleich mit 14 Gitarrenunterricht. Und liebt für Teenies und die Sechziger nicht eben Typisches: Barockmusik: "Als ich begriff, dass man das auch auf der Gitarre spielen kann, da wollte ich weitermachen". Es hat ihm nie Mühe gemacht, scheinbare Gegensätze zu harmonisieren. Und sein Lehrer bestärkt ihn auch noch darin: "Man muss nicht das eine verteufeln, um das andere schätzen zu können. Der E-und U-Konflikt tauchte für mich nie auf." 1967 kommt er von der Klassik zum Jazz; und Jazz wie Blues (den er auf einer Epiphone Riviera spielt), sieht er "nie allzu weit weg von der Klassik. Ich habe das nie getrennt." Und wer sein "Mind & Body Ensemble"-Album von 1982 kennt, weiß: Der hat das drauf. Und dann hört er (und sieht im TV) das berühmte Guitar Workshop von den 1967er Berliner Jazztagen. Vor allem das Jim Hall Trio mit "Careful", das hat ihn "bis heute begleitet, war der Türöffner. "Ich hatte nichts verstanden, aber da war dieser emotionale Impuls, der da drinsteckt." Dann hört er Hall im Guiffre-Trio. Dass er bis heute Mini- und Mikro-Besetzungen allem vorzieht, erklärt sich von dorther: "Quartett ist fast schon zuviel." Und dann ist da Ralph Towner, eher "untypisch ECM – wegen der enorm energetischen Rhythmusgruppen". Und, last not least, natürlich Joe Pass. "Der denkt polyphon, in sich bewegenden Linien. Wie in der Barock-Zeit." Seine Welten. 1975 beginnt er mit dem Studium der klassischen Gitarre in Dortmund und Köln bei Werner Kämmerling, für den er schon während des Studiums unterrichtet. "Ich habe sehr früh mit dem Unterrichten angefangen. "Vor dem Studium habe ich Top 40 gespielt (womit er sich sein Berklee "zusammengespart"), aber dann wurde mir klar, dass ich das nicht mehr machen will." 1976 sitzt er in Deutschlands erstem Landesjugendjazzorchester. Dann Berklee, "leider nur ein Semester, dann war das Geld wieder alle". Die Paul hatte er vorher in New York schnell noch für eine Guild Archtop in Zahlung gegeben ("Hals zu dünn, Mensur zu kurz. Heute hat sie Klaus Spencker"). In Berklee begegnet er Attila Zoller. Zurück in Köln, setzt er sein Studium bis zum Diplom fort. Sein Abschlusskonzert absolviert er auf Prof. Kämmerlings Hauser. Berkee jedenfalls ist "ein großer Gewinn, weil es in Deutschland solche Studienmöglichkeiten noch gar nicht gab. Und es gab nur wenige Musiker hier, die willens und in der Lage waren, gut zu erklären. Ich hab' mir deshalb hier viel zu wenig abholen können." Berklee war eine "Eröffnung vieler Arbeitsperspektiven. Ich habe nach dem halben Jahr zwar nicht viel besser gespielt, aber ich hatte eine Menge Material und Know-How. Und das Grundlevel war einfach sehr hoch, und man hat alle zwei, drei Tage einen Weltstar erlebt." In Köln derweil spielt und tourt er mit einem Kölner Hardbop- und Modern-Quartett. Von 1978 bis 1980 unterrichtet er dann als Kämmerlings Assistent an der Kölner Musikhochschule - "mein erster Hochschuljob". Ein Jahr später findet der Länder-Wettbewerb "Jugend und Jazz" in NRW zum ersten Male überhaupt statt; mit in der Jury: TBM. Und "dann habe ich das weiterführende klassische Studium abgebrochen – für Jazz, ja. Für das Spielen, für die Möglichkeiten, die sich zu der Zeit ergaben." Klassik unterrichtet er indes mehr und mehr: "Immer mehr Leute kommen, die das haben wollen". Selber spielen aber tut er sie kaum noch: "Ich glaube, das sollte ich auch nicht tun. Weil ich die anderen Sachen mehr üben will." Aber seriös auch für die klassische Gitarre adaptieren und komponieren – das kommt kurz nach Berklee. So stammt das Stück "Small Window Room" auf "Beauty" aus jener frühen Zeit. 1981 zieht die Familie nach Norden, nach Ottersberg in Nordniedersachsen. Köln bietet nicht die auf lange Sicht erhofften Perspektiven. Und da ist nun auch der klitzekleine Sohnemann. Und der Überdruss am Stadtleben. Die Umsiedlung bringt Thomas an die Musikschule in Oldenburg, "an der es bis heute durchschnittlich zwölf bis 14 Lehrer gibt, die ausschließlich Pop, Rock oder Jazz unterrichten." Und an die Uni Oldenburg, die er aber sausen lässt, als er an die Musikhochschule Hannover gelangt. Oldenburgs Musikschule indes schätzt er, "weil da seit 20 Jahren ein Pilotprojekt läuft, mit Bands, die jedes halbe Jahr vorspielen, Abschlusskonzerte. So gibt es zweimal im Jahr Abende mit nie weniger als zehn Bands." Und in Hannover unterrichtet er im Rahmen des noch jungen Studiengangs Jazz-Rock-Pop und tut das heute noch. Schwerpunkt: kleinere Ensembles. Und er lernt er durch seine Arbeit viele internationale Musiker kennen, Kaliber wie Hall, Coryell, Ellis, Derek Bailey, Towner, Peter Leitch und Woody Mann, den er besonders schätzen gelernt hat – "ohne Blues geht es eben nicht." Nun kommt der Aktivjazzer ins Spiel. Als der gründet er mit Rainer Winterschladen (tp), Walfried Böcker (b) und Jürgen Dahmen (perc/p) die Gruppe "Mind & Body Ensemble". Und bald entsteht erstmals auch der Wunsch, ins Studio zu gehen. 1982 erscheint auf Roof Records die LP "Thomas Brendgens Mind & Body Ensemble"; "Stereoplay" findet das Debüt "logisch und klar im Aufbau und brillant in der Durchführung". Getourt wird im In- und Ausland; unter anderem tritt die Band beim Metzer Festival "Jazz Lorraine" auf. Im selben Jahr ist TBM erstmals in Vermont bei Zollers Clinic. Noch 1984 nennt "Stereoplay" das Spiel der Gruppe "gut bis sehr gut.". Der Gitarrist lasse "die divergierenden Stilelemente sich aneinanderreiben und miteinander verbinden"; sein Spiel erinnere gar an Allan Holdsworth. Im selben Jahr – die erste Tochter ist geboren – nimmt das Ensemble noch am zweiten Hauptkonzert der Leverkusener Jazztage teil. Dann geht es auseinander. 1986 notiert ein Saarbrücker Kritiker, TBM habe "mit seiner komplexen Akkordik und ... Geläufigkeit in Single-Note-Passagen alles Rüstzeug, was ein guter moderner Gitarrensolist braucht" – der Solist ante portas. Und 1990 – er spielt inzwischen im festen Duo mit Dozenten-Kollege und Altsaxophonist Jochen Voss – fallen einem Oldenburger Kritikus "die unbegleiteten Soli... auf, die in ihrer Mischung aus Single-Note-Spiel und Akkordimprovisation ständig groovten". Die Gitarre im Duo mit einem Bläser – Knochenarbeit: "Ich spiele einfach nicht gern in Stücken oder Gruppen, in denen ich zu wenig zu tun habe, nicht genug gefordert bin." Die beiden treten beim "Sokolniki Las", dem Sommer-Jazzfestival in Lódz auf; das Duo bekommt vom Land Niedersachsen den Jazzpodium-Förderpreis zugesprochen. Eine "fast pianistische Technik und erfinderische Tiefe... ohne... kitschigen Beigeschmack" bescheinigt dem Gitarristen eine Rezension 1992; ein andere weiß gar, dass TBMs "Eigenkompositionen... sich vor... Herbie Hancock und Chick Corea nicht zu verstecken brauchten". 1993 legt das Duo seine Debüt-Platte vor, auf Acoustic Music Records. Das Album "Alterations", schreibt ein Rezensent, sei eine "überzeugende Duo-Variante zwischen Mainstream und 'freieren' Jazzkonzepten". TBM – der heute eine klassische Montero, eine Heritage "Eagle", eine L7 und eine Strat ("für den Alltag") zu seinen Hauptinstrumten zählt, spielt auf der CD die Strat und eine Steelstring Flattop - kein Nylon! Und da gäbe es "tatsächlich Stellen, wo der Gitarrenpart so ausgefuchst ist, dass man meint, zwei bis drei Saxophone und eine Gitarre zu hören", schreibt ein anderer, und ein "kleines, fast kammermusikalisches Meisterstück" nennt ein weiterer Rezensent das Spiel der beiden: "Auf hohem internationalen Standard schaffen sie eine erfrischende Ausweitung des leicht verkrusteten Duogedankens im Jazz." Und - die zweite Tochter kommt zur Welt. 1998 präsentiert das Duo dann seine zweite CD, "Textures", nun auf dem Jardis-Label des Jazzgitarristen Heiner Franz. Ein "absolut seltenes Kleinod der Duokunst" sei dem Tandem gelungen, jubelt "Jazzthetik". Die Platte sei "eine erfrischend 'andere' CD", meint die Jazz Guitar Society of Western Australia. Und "most involving" findet das renommierte amerikanische "Cadenze Magazine" das Album. 1997 ist die Vita TBMs wieder vornehmlich die des Lehrers, der für zwei Jahre an der Musikhochschule Bremen eine Vertretungs-Professur übernimmt. Er unterrichtet an der Gesamthochschule Duisburg, an der Kölner Uni wie der dortigen Musikhochschule, an der Musikhochschule Bremen und der in Hamburg auch noch, während er weiter seine Aufgaben in Oldenburg und Hannover wahrnimmt. Lohn der Unterrichtsarbeit: ein makelloser Blick in die Gitarrenszene: "Das Niveau in den Studiengängen ist durchweg hochgegangen, zum Teil extrem hoch. Immer wieder kommen Musiker, die sich als Studenten bewerben, angenommen werden und dann mitarbeiten und einen eigenen Kopf haben, eigene Ohren, eigene Ideen, eigene Umsetzungskraft." Das Millenniums-Jahr bringt die beiden Duo-Partner erneut auf Tour, auf die EXPO in Hannover ebenso wie an längst erprobte Stätten nord- (Emden) wie südwärts (Passau) . "Friedfertige Transparenz" (!), "hohe Kunst des Duospiels in einem hohen Maß an Perfektion", heißt es in der durchweg wohlmeinenden Presse. "Die Dialoge eignen sich als meisterhaftes Lehrstück." Auch noch in 2000 entsteht – leider nicht für die Öffentlichkeit – eine Duo-CD, die Thomas mit seinem inzwischen wieder in seiner chilenische Heimat weilenden Schüler Fernando Gonzales aufnimmt. Verdrehte Welt: Fernando spielt traditionelle Jazzgitarre, TBM Nylon- und Steelstring acoustics. Unlängst hat er mit Helmut Nieberle am Ende eines getrennt absolvierten Konzerts gejammt. Nieberle spielte seine L5, er aus Kontrastgründen seine Nylonstring. "Und es hat wunderbar geklappt." Und "nicht nur mit Bravour, sondern mit einem Maß an relaxter Selbstverständlichkeit" sei 2001 ein Abend verlaufen, in Hannovers "Marlene" ein anderes Gitarrenduo bestritt: TBM und Heiner Franz. Anlass des Klub-Gigs war ein voraufgegangenes Mai-Wochenende an der Hochschule: Beide Gitarristen hatten gemeinsam eine Master Class gegeben. So erweist sich der Weg zur "state-of-the-art" aufgezeichneten Solo-CD als durchweg konsequent. Was im Quartett begann, führte – längst gab es ja die gitarristischen Solo-Exkursionen - zum Duo mit Voss und zu den Impromptu-Duos mit Gonzales und Franz. Und, fast notwendigerweise, schließlich zu "Beauty". Die sachlich-wohlwollenden Liner Notes übrigens schrieb kein Geringerer als der Jardis-Kolllege US-Gitarristen Mitch Seidman ("How 'Bout It?", 2001). Der Bostoner schreibt daheim fürs renommierte "20th Century Guitar Magazine" und ist Mitglied des Lehrerkollegiums von Berklee – beste Gesellschaft. Verdiente Gesellschaft. Wie zum Beispiel auch die von George Mraz. "George M." heißt ein Stück auf "Beauty". Das hat Thomas schon 1983 für den Bassisten geschrieben, für den Zoller-Workshop in Vermont. Damals hieß es noch anders. Aber beim Abschlusskonzert, da spielten sie's dann, TBM und der große Bassist. "Er hat mir das Stück im Grunde neu beigebracht". Weshalb es jetzt "George M." heißt. Fürs kommende Jahr geplant sind Solokonzerte, gern auch in "etwas anderen" Räumlichkeiten wie Kirchen oder kleinen Klubs. Und im Februar wird voraussichtlich geprobt - für eine Platte mit Pianist Klaus Ignatzek und dem Belgier Jean Louis Rassinfosse am Bass, dem Bassisten, der auf den Chet Baker-Alben mit des Bassmanns Landsmann Philip Catherine mitwirkte. Beste Gesellschaft. Verdiente Gesellschaft. Nur wächst die niemandem einfach so aus der Tasche. Und deshalb ist des Lehrer/ Künstlers Thomas Brendgens-Mönkemeyers Schlusswort auch nicht eben Balsam für gitarristische Lau-Bader. Nötig sei nämlich, "dass wir das, was wir machen, ernst nehmen und als positiven Impuls überhaupt sehen. Wie Klaus Peymann gerade gesagt hat – man müsse eigentlich noch mehr Kunst produzieren, als dringend notwendiges Gegengewicht gegen den ganzen Wahnsinn, der gegenwärtig passiert. Es geht um die Aufwertung menschlicher Qualitäten, und das geht alle an, die etwas dazu beitragen können." Und dann kommt's noch ein bisschen unsanfter: "Ich glaube, dass wir alle noch viel mehr arbeiten müssen. Wenn man sich anschaut, wie konsequent die Leute in den USA (die ja nicht immer Vorbild sein müssen) arbeiten, dann sieht man, dass wir das noch nicht immer drauf haben. Arbeiten. Üben. Acht Stunden üben – das kann man natürlich nicht immer umsetzen. Aber das wäre ein Ziel. Acht Stunden am Tag zu üben, damit ich mir nicht wie ein Schmarotzer gegenüber den acht oder neun Stunden im Büro arbeitenden Menschen vorkommen muss – das ist hier noch nicht überall durchgedrungen. Fleiß, Geduld, Durchstehvermögen - damit ich nicht nach zwanzig Jahren sage: 'Ach was, ich hör' auf.'" Alexander Schmitz |
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