Archtop-Germany  Tips: “Kauf einer Archtop”

Dieses Thema wurde mehrfach an mich herangetragen. Da diese Webseite nicht nur für die Profis sein soll, sondern eben auch für diejenigen, die sich erstmals mit dem Thema auseinandersetzen, hier Ausführliches zu diesem Thema (hier kommt jetzt richtig viel Text!):

1.  Grundsätzliches
2. 
Zustand der Gitarre
3. 
Die verschiedenen Archtop-Typen
4. 
Kauf vom Händler
5. 
Kauf von Privat
6. 
Kauf vom Gitarrenbauer
7. 
Kauf in Auktionen
8. 
Kauf aus Sammlungen
9. 
Flohmärkte und solches
10.
Überarbeitung, Reparatur, Einstellungen
11.
Einspielen
12.
Klangoptimierung

Guitar Shop

1. Grundsätzliches
1.1. Der “Wow-Effekt”
Der Kauf einer Archtop unterscheidet sich nicht wesentlich von dem einer anderen Gitarre. Das Allerwichtigste ist, das man das Instrument in die Hand nimmt, es spielt und “wow!!” Nur wenn der “Wow-Effekt” auftritt (es gibt ihn auch als “Nackenhaar”- und “Schmetterlings”-Variante; gute Verkäufer erkennen dies am leicht glasig werdenden Blick ;-) ) hat man ein Instrument in der Hand, mit dem man zufrieden werden kann. Dann ist es auch nicht wichtig, ob es sich um eine neue oder gebrauchte Archtop handelt, es ist egal, ob sie Schäden hat, repariert werden muss, eingestellt werden muss...
Da es mitunter lange dauern kann, bis der allerhöchst individuelle “Wow-Effekt” auftritt, bleibt uns erstmal die Vorbereitung. 
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1.2. Das Machbare
Natürlich gibt uns unser finanzieller Rahmen zunächst einmal die Grenze des Machbaren. Es ist einfach nicht sinnvoll, mit 500,00 Euro in der Tasche auf die Jagd nach einer Gibson-Archtop zu gehen. Andererseits kann man mit ein wenig Mühe und Glück ein wirklich gutes Instrument für das gleiche Geld bekommen. Ich will damit sagen: Je weniger wir ausgeben wollen oder können, desto wichtiger ist das Informationsbedürfnis um Alternativen zu finden. 
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1.3. Die Art der Archtop
Ein erfahrener “Archtopper” geht natürlich mit einem konkreten Ziel auf die Suche. Aber gerade derjenige, der vielleicht zum ersten Male an diesem schönsten aller Gitarrentypen interessiert ist, wird feststellen, dass es viele unterschiedliche Ausführungen gibt. Hier sollte man möglichst verschiedene getestet haben (z.B. bei einem Händler) um sich einigermaßen sicher zu sein. Je mehr ihr antestet, desto sicherer wird eure Entscheidung. Ich selbst habe Jahre gebraucht, um mich eindeutig festzulegen. Die verschiedenen Archtop-Typen findet ihr im Kapitel 3. 
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1.4. Informationsquellen
Archtop-Germany:
Hier findet ihr außer in dieser Rubrik Infos zu allen Gitarrenbauern in Deutschland, den Händlern, bei denen man sicher einige Archtops findet, eine große Sammlung von Testberichten, einen Kleinanzeigenmarkt, Reparaturinfos und noch sehr, sehr viel mehr. Archtop-Germany dürfte die umfassendste Informationsquelle zu diesem Thema sein.
Musiker-Magazine:
Dort finden sich Testberichte, Händlerannoncen, Kleinanzeigen... Speziell für Archtops bietet sich leider kein Blatt an. Am besten ist die “Akustik-Gitarre”. Dort gibt es den höchsten Prozentsatz an Archtop-Information. Freaks bestellen in den USA bei Mr. Ed Benson die
“Just Jazz Guitar”. Da geht es nur um das eine!
Händler:
Sucht so viele wie möglich auf, spielt alles, was ihr in die Finger bekommt (auch Archtops, die ihr nicht kaufen wollt oder könnt) und sucht das Fachgespräch. Die in Archtop-Germany
empfohlenen Händler haben Archtops vorrätig. Auf jeden Fall vorher anrufen!
Kleinanzeigen:
Kleinanzeigen bieten sich für den Überblick des Marktes im Privatsektor an. Die Gitarren sind meistens gebraucht und genauso oft günstig wie überteuert. Die meisten Archtop- Kleinanzeigen findet ihr in der “Akustik-Gitarre” und hier. Auf jeden Fall solltet ihr auch andere versuchen. (z.B. lokale Kleinanzeigen, AOL,...)
Ebay:
Auch wenn man keine Gitarre im Internet erwerben möchte, so bietet sich gerade Ebay als gute Informationsquelle an. Die Angaben sind oftmals gut und man kann sich über die erzielten Preise informieren. Das hilft bei späteren Preisverhandlungen. Aber Vorsicht: Nicht der Preis der Angebotseinstellung ist wichtig, sondern der später Erzielte. Bei Sofortverkäufen ist es allerdings anders.
Freunde, Bekannte und Lehrer:
Hier findet man die Quellen, denen man am meisten traut, die aber leider oftmals auch am subjektivsten sind. Die Gitarre, auf die dein bester Freund schwört, ist in der Regel nicht die Gitarre für dich (meistens!). Aber nutzen solltet ihr diese Möglichkeiten auf jeden Fall! 
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2. Zustand der Gitarre
Im besten Falle hat die Archtop natürlich einen neuwertigen Zustand... oder nicht?

Bei einem Kauf von einem Gitarrenbauer ist dieser Zustand selbstverständlich und darf gar nicht anders sein.

Aber schon beim Händler führen Anspielen und Transporte von neuen Instrumenten oftmals zu kleinen Beschädigungen, die einen Preisnachlass rechtfertigen.

Bei gebrauchten Instrumenten sind Gebrauchsspuren und kleine Schäden normal und zeugen vom Einsatz des Instrumentes; d.h. sie sind Indiz für ein gespieltes Instrument (siehe “Einspielen”). Dies kann durchaus wünschenswert für den einen Käufer sein und abstoßend für den Anderen.

Grundsätzlich sollte der Hals gerade, die Gitarre bundrein, die Elektrik funktionstüchtig, die Mechaniken gängig und die Optik nicht bruchreif sein. Die Gitarre sollte nicht scheppern, schnarren, zwirseln... Aber hier kommt, mehr als bei allen anderen Käufen, der “Wow-Effekt” ins Spiel. Das alles kann man, mit Ausnahme der Bundunreinheit, reparieren; und das oftmals mit einem Aufwand, der dem eines Kaufpreises einer neuen, absolut funktionstüchtigen Gitarre spottet. Voraussetzung ist allerdings die Inanspruchnahme eines absolut tauglichen Gitarrenbauers oder -reparators.

Ob die Gitarre ihr Geld wert ist, ist auch eine sehr individuelle Entscheidung, wenn man sie spielen und nicht sammeln möchte. Letztlich ist es doch beispielsweise egal, ob der Boden nun massiv oder laminiert ist, wenn die Gitarre insgesamt meine Erwartungen erfüllt, mir gefällt, gut klingt und gut in der Hand liegt.

Ganz verblüffend ist übrigends der Effekt, auf eine ins Visier genommene Gitarre, egal ob neu oder gebraucht, die Saiten aufzuziehen, die man am liebsten mag (bei einem Händler sollte man das kostenlos verlangen). Das kostet im Verhältnis zur Gitarre nicht viel, trägt aber im Zweifelsfall zu einer Entscheidung enorm bei. Da kann man nämlich zu einer relativ objektiven Entscheidung kommen. (siehe auch Tip: Saiten). Wenn ich daran denke, welche Saiten werkseitig bei manchen berühmten Modellen aufgezogen sind, kräuseln sich mir die Nackenhaare. Bei gebrauchten Gitarren ist es noch viel schlimmer. Aber Achtung: verschiedene Saitenstärken krümmen den Hals der Gitarre unterschiedlich; dies ist einstellbar und nicht von Übel.

Ich kenne ebenso viele “Fans” einer neuen ungespielten Gitarre, wie umgekehrt. Beides hat seine Berechtigung: Die Einen bevorzugen den unbefleckten Zustand, dem sie ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken können und haben zudem ein optisch vollkommenes Instrument, die anderen mögen die Patina der Jahre und respektieren eher die Geschichte ihrer Gitarre.  5

3. Die verschiedenen Archtop-Typen
Ich bitte um Verständnis, wenn ich mich an dieser Stelle auf die gängigen und am häufigsten vorkommenden Typen beschränke. Es gibt natürlich viele Zwischentypen und auch Kuriositäten. Desweiteren bitte ich um Nachsicht, wenn ich etwas verallgemeinere. Man sollte sich die Gitarrentypen gut auf CDs anhören und selbst antesten um zu wissen, was die Beschreibung genau meint.
Folgende grundlegende Unterscheidungsmerkmale, die sich mischen können, gibt es im Wesentlichen:

3.1. Holzart der Decke:
Hier wird der Klangcharakter der Archtop vielleicht am deutlichsten beeinflusst. Am häufigsten kommen Fichtendecken (massiv, geschnitzt), z.B. L5, S400... und Ahorndecken (laminiert, gepresst) z.B. ES 175... vor. Der Klangunterschied ist genau so groß wie der Preisunterschied, aber letztlich Geschmackssache. Die Fichtendecke klingt feiner, nuancenreicher, brillianter in der Obertönen; die Stärke der Ahorndecke ist eine angenehme Mitte.

Berühmte Ahorndecken-Spieler sind z.B. Joe Pass und Herb Ellis. Fichtendecken wurden von Wes oder Kenny Burrell bevorzugt. Es gibt auch Archtops mit Mahagoni- und ganz neu auch mit Zederndecken (Stefan Hahl).

Die Holzauswahl für die Zargen und Böden der Archtops ist ebenfalls wichtig, führte aber nie zu einer Klassifizierung. Bevorzugte Hölzer sind hier Ahorn (am häufigsten in Verbindung mit Fichtendecke) und Mahagoni (gerne mit Ahorndecke kombiniert). Ein massives Holz erkennt man übrigens daran, dass im inneren der Gitarre die selbe Maserung zu sehen ist, wie von außen. Näheres siehe unter Tips: Hölzer.

Fichte, Ausschnitt aus einer Lang
Vogelaugenahorn, Ausschnitt aus einer Höfner
Riegelahorn, Ausschnitt aus einer Sonntag

3.2. Korpusgröße:
Die Korpusgröße hat ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf das Klangverhalten der Gitarre. Sie wird gemessen am breitesten Bereich der unteren Deckenhälfte. Gängig sind die folgenden drei Größen:

16´´ oder 16 1/4´´ (40 oder 40,63 cm): berühmtes Beispiel: ES175.

17´´ (42,5 cm): berühmtes Beispiel: L5. Dieses Maß hat sich als gängigstes im Archtop-Bau durchgesetzt. In Verbindung mit einer Fichtendecke hat diese Gitarre ein wunderbar ausgewogenes Verhältnis von Höhen und Tiefen mit einer ausgeprägten Wärme der Mitten.

18´´ (45 cm): berühmtes Beispiel: S400. Die Größe der Gitarre schreckt viele Spieler ab. Wer sich trotzdem darauf einlässt, wird mit einem wunderschönen Ton aus stärkeren Bässen und noch feineren Höhen belohnt. Die mittleren Frequenzen fallen nicht so stark aus.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach erscheint mir eine 17´´ von vielen Gitarristen bevorzugt, die eher “Solisten” in einer beliebigen Besetzung sind. Die Wärme der Mitten bewirkt auch eine etwas bessere Durchsetzungskraft. Dagegen scheinen “Begleiter” oder die jenigen, die sich in Kleinstbesetzungen ohne Bass oder alleine auf die Bühne stellen, eher eine 18´´ zu bevorzugen, da das Klangbild nach unten und oben kräftiger ist. Das ist aber sehr verallgemeinert. Es gibt natürlich alle denkbaren Kombinationen. Der persönliche Geschmack ist letztlich allein entscheidend.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch ein Vergleichstest dreier Archtops von Stefan Sonntag in den Größen 16´´, 17´´, 18´´.

3.3. Mensur
Auch hier haben sich im internationalen Gitarrenbau drei gängige Größen herausgestellt. Die Mensur ist die Länge der schwingenden Saite. Sie wird also gemessen zwischen Sattel und Steg. Zwischenlängen gibt es aber, vor allem bei hochwertigen Instrumenten, zahlreich.

62,8 oder 63 cm: berühmtes Beispiel: ES 175, aber auch eine Les Paul oder ES 335.

63,5 cm: berühmtes Beispiel: “Johnny Smith”.

65 cm: berühmtes Beispiel: L5, S400, aber auch eine Strat hat diese Mensur.

Die Mensurlänge beinflusst den Ton. Eine längere Saite bewirkt mehr Obertöne, also mehr Brillianz und auch mehr Dynamik. Am wichtigsten ist die Mensurlänge aber für das Spielgefühl auf der Gitarre. Je länger die Mensur, desto größer sind die Abstände der Bundstäbchen auf der Gitarre im Verhältnis zueinander. Sehr vereinfacht: Kurze Mensur kann für einen Gitarristen mit kürzeren Fingern bequemer sein. Aber das ist Trainingssache.

3.4. Bebalkung der Decke
Die Bebalkung der Decke gibt ihr mehr Stabilität, beeinflusst aber auch das Klangverhalten. Eine “X”-Bebalkung (“X-Bracing”) betont die warmen Mitten einer Archtop, eine “H”-Bebalkung fördert die Brillianz. Einfluss hat man darauf weniger. Es sei denn, man lässt sich seine Archtop bauen.

Sehr übersichtlich ist das bei Stefan Sonntag in seiner Modellbenennung zu erkennen. Wenn ein Modell 17X heißt, ist alles klar. Oder?

3.5. Cutaway
Es gibt Archtops mit oder ohne Cutaway. Ohne Cutaway findet man sie oft in der Variante der “Acoustic-Archtops” (siehe 3.6.) Die Gitarre ohne Cutaway hat mehr Body, klingt daher auch etwas voller. Dafür hat man aber Probleme, die unteren Bünde zu erreichen. Ein Cutaway fördert auch das Spielgefühl auf der Gitarre.

Es gibt zwei klassische Varianten des Cutaway: Den mit der spitzen Ausführung (pointed oder florentin Cutaway, siehe ES175) und den mit der abgerundeten Ausführung (rounded oder venitian Cutaway, siehe L5). Auf den Klang haben diese beiden Unterscheidungen meiner Ansicht nach keinen Einfluss, als ästhetisches Designmerkmal ist es wichtig.

Seltener sind Archtops mit zwei Cutaways, als Beispiel sollen hier Gibsons frühe “Barney Kessel” und die neuere PM100 von Ibanez dienen.

cutaway_none
cutaway_rounded
cutaway_pointed

3.6. Akustische Archtop oder elektrisch
Eine akustische Archtop hat keine Vorbereitungen oder Ausführungen für eine elektrische Verstärkung, also auch keine Elektrik an Bord. Dadurch hat sie auch eine andere Bauweise. Die Decke ist dünner ausgeführt, weil keine Löcher für Pickups hereinmüssen. Auch der Boden ist zumeist dünner. Dadurch klingt sie akustisch gespielt sehr viel brillianter und lauter als eine elektrische und ist auch viel leichter. Oft haben diese Archtops auch keinen Cutaway. Wenn man damit nicht auf eine große Bühne will, ist es eine gute Wahl. Auch im Studio mit Mikrophonabnahme kann der Einsatz einer solchen Archtop sehr schön sein. Jim Hall und Joe Pass haben dies oft so gemacht.

Eine akustische Archtop wird manchmal auch mit zusätzlicher Elektrik bereits vom Hersteller angeboten. Ein Pickup wird dann in der Regel “schwebend”, also ohne Berührungspunkt mit der Decke, am Ende des Halses oder am Schlagbrett befestigt. Meistens hat eine solche Archtop lediglich einen Volumenregler, der in der Regel auf dem unteren Teil des Schlagbrettes befestigt ist. Diese Gitarren neigen bei Bühneneinsatz ab bestimmten Lautstärken zu Rückkopplung (dünne Decke!); bei leisen Sets sind sie ein Hochgenuss an Brillianz und feinen Tonnuancen - eben auch elektrisch verstärkt. Alle akustischen Archtops kann man entsprechend auch nachrüsten. Das Angebot ist vielfältig (Tips: Pickups). Der Einbau sollte aber unbedingt von einem Fachmann ausgeführt werden (siehe Rubrik “Reparatur”).

Die elektrische Archtop hat folgerichtiger Weise eine stärkere Decke, um den Einbau der Pickups in die Decke zu ermöglichen und Rückkopplungen zu vermeiden. Sie ist die meist eingesetzte Variante. Ihr akustischer Sound ist dünner und sehr viel leiser, aber elektrisch bringt sie Unglaubliches (zu hören auf allen amtlichen CDs von Charlie Christian bis Russel Malone und darüber hinaus). Da die Decke ohnehin schon Löcher hat, setzt man bei diesen Modellen auch die Volumen- und Tonregegler in die Decke ein. Nichtsdestotrotz hat die Holzauswahl den grundlegenden Einfluss auch auf den Klang des elektrischen Instrumentes.  5

4.  Kauf vom Händler
In Deutschland eine gute Archtop von einem Händler zu bekommen, war früher lange ein Problem. Ich bin seinerzeit zum Testen nach Landsberg am Lech, dann über Solingen nach Hamburg gefahren, um überhaupt mal mehr als eine Archtop zu sehen und zu spielen. Heute ist das anders. Gerade die bei Archtop-Germany genannten Händler haben im Normalfall mehrere gute Archtops vorrätig.

Einige bieten sogar die ganze Gibson- oder Heritage-Palette an. Auch gebrauchte oder gar Vintage-Gitarren findet man häufig. Der Kauf bei einem Händler hat mehrere Vorteile:

- Man kann bei einem guten Händler mehrere Instrumente testen, bevor man sich entscheidet.
- Es ist möglich, sich seine Traumgitarre zu bestellen.
- Service-Angebote sind zumeist gleich mit vor Ort.
- Gleiches gilt für Zubehör.
- Ein Händler muss gesetzlicherweise Gewährleistung bieten, wenn sich Mängel am Instrument herausstellen sollten.
- Ein seriöser Händler besch...ummelt euch nicht, er hat einen Ruf zu verlieren.

Interessant ist auch das folgende Verkaufsbeispiel: Thomas Hempel bietet jedem Käufer einer Vintage-Gitarre an, sie zum Verkaufspreis zurückzunehmen, wenn man später eine teuere Gitarre möchte. So kann man sich langsam “nach oben” entwickeln und hat immer eine Top-Gitarre.

Manche meinen, dass die Gitarren bei Händlern immer teuerer sind, als bei einem Kauf von Privat. Das stimmt nicht immer. Auch die Privatpreise sind manchmal jenseits von gut und böse. Zu den Risiken eines Privatkaufs siehe Punkt 5.  5

5.  Kauf von Privat
Der Kauf von Privat erfordet eine sehr viel größere Fachkenntnis vom Käufer, als der Kauf vom Händler. Gerade, wenn man an einen unseriösen Privatmann kommt, was man ihm ja nicht an der Nase ansieht, kann der Kauf einer Gitarre im Nachhinein sehr teuer gewesen sein.

Der Käufer sollte mindestens in der Lage sein folgende Kriterien zu beurteilen:
- Handelt es sich tatsächlich um die angebotene Gitarre? (gefälschte Gitarren gibt es genug!!)
- Ist der Zustand der Gitarre in Ordnung? Reparatur- oder Renovierungsaufwand sollte zu einer Preisminderung führen.
- Ist die Gitarre bundrein? Unbedingt die Oktavreinheit prüfen und ggf. einstellen vor dem Kauf!.
- Sind im Inneren der Gitarre Änderungen vorgenommen worden?
- Ist der Preis marktgerecht? Wenn nicht, gibt es 2 Möglichkeiten ; -)

Wenn man das selbst nicht beurteilen kann, nimmt man am besten einen Menschen mit, der es kann. Ich selbst habe sehr oft Schüler, Freunde und Bekannte auf ganz schön langen Touren begleitet. Zumindest sollte man ein wenig Info-Material zur Hand haben. Schließlich weiß man ja vorher, welche Archtop man sich anschaut.

Wichtig: Es gibt keine Gewährleistung wenn die Gitarre erst einmal bei euch steht. Ihr müsst euch also sicher sein bezüglich des Gegenwertes.  5

6.  Kauf vom Gitarrenbauer
Das ist auf jeden Fall immer eine gute Entscheidung. Nur hier hat man die Möglichkeit, Details oder sogar die ganze Konstruktion zu beeinflussen. Aber: nur ein erfahrener Spieler weiß genau, welche Details für ihn und seine Stilistik geändert werden müssen. Gerade die ganz exzellenten Spieler und Individualisten kommen irgendwann zu dem Wunsch, das Instrument ihrer Individualität anzupassen. Das heißt aber keinesfalls, dass nur solche Spieler eine Gitarre vom Gitarrenbauer kaufen sollten; im Gegenteil. Beim Kauf geht man am besten folgendermaßen vor:

Zunächst einmal sich informieren, welche Gitarrenbauer in Frage kommen. Das geht, bezogen auf Gitarrenbauer in Deutschland, eigentlich nur auf Archtop-Germany in der Rubrik “Hersteller”. Nur dort gibt es diese vollständige Auflistung. Luthiers im Ausland gibt es natürlich auch. Gerade in den Niederlanden tut sich neuerdings da einiges.

Man schaut sich also genau die Modelle und Modellbeschreibungen an, liest Test- und Spielberichte (Sammlung ebenfalls hier) und trifft anhand der so gesammelten Informationen eine grobe Vorauswahl.

Dann nimmt man Kontakt mit dem oder den in Frage kommenden Betrieben auf. Bereits diese Vorgespäche oder Emails werden weiteres Hilfreiches zu Tage fördern.

Aber nichts geht über ein persönliches Gespräch mit dem Gitarrenbauer!! Hier werden die Details ganz individuell. Der Gitarrenbauer kann euch auch beraten, welche Dinge noch zu berücksichtigen sind. So wächst zunächst die Vorstellung der Gitarre und dann die Gitarre selbst. Joe Striebel hat beispielsweise, als er eine Gitarre für mich gebaut hat, ein anderes Holz für den Boden der Gitarre, als normalerweise üblich, genommen. Er wusste, dass dieses Holz besser zu meinem Stil passen würde. Schaut euch die Hölzer an und begleitet, wenn es möglich ist, den Bau der Gitarre, schaut sie euch in den verschiedenen Stadien an, dann wird das Instrument mit euch “verwachsen”.  5

7.  Kauf in Auktionen
Das ist ein heißes Eisen. Bei einer Auktion vor Ort (Auktionshäuser oder Versteigerungen aus Konkursmassen) kann man ja noch ähnlich vorgehen wie bei einem Kauf von Privat, und sich das Instrument vorher gut ansehen.

Bei einer Internetauktion sieht die Sache anders aus. Hier ist das größte Kaufrisiko von allen. Folgende Tips sollen das Risiko vermindern:
- Schaut euch die Bewertungen des Verkäufers an. Sind sie sehr gut, könnt ihr weitermachen.
- Schaut euch den Text und die Bilder sehr genau an.
- Erfragt alles, was sich dort nicht findet per Email. Auch weitere Bilder können so angefordert werden.
- Wenn die Gitarre in Reichweite ist, schaut sie euch vorher an!
- Falls nicht, versucht mit dem Verkäufer dahingehend einig zu werden, dass ihr die Gitarre vorbehaltlich der persönlichen Begutachtung ersteigert. Dann allerdings ist die Abholung der Gitarre nahezu ein Muss. Bezahlung auch am besten bei Abholung.
- Bei Verkaufsprofis gibt es natürlich auch hier die gesetzliche Gewährleistung, bei Ersteigerungen von Privat wird diese in der Regel vom Anbieter ausgeschlossen.

Ich möchte nicht verleugnen, dass in den meisten Fällen alles klappt, aber aufgrund der relativen Anonymität der Verkäufer ist ist hier die Versuchung am größten.  5

8.  Kauf aus Sammlungen
Aus Sammlungen kann man Instrumente in der Regel per Auktion oder Privat erstehen. Da gilt jeweils das oben Gesagte.

Zusätzlich ist aber sehr zu beachten: Diese Instrumente wurden gar nicht oder nur sehr wenig gespielt! Deshalb klingen sie oftmals auch gar nicht gut. Ich habe es selbst schon erlebt, dass eine schöne alte und extrem gut erhaltene Archtop, die eigentlich gut hätte klingen sollen, im Gitarrenkoffer jahrelang “gestorben” ist. Der Ton war total matt, die Ansprache entsetzlich.

Ein Sammler wird ggf. für eine solche Gitarre sehr viel Geld ausgeben, ein Spieler sollte es nicht tun. Wenn doch, dann liegt ein jahrelanger und mühsamer Prozess des Einspielens vor ihm (siehe unter “Einspielen”). In diesen Fällen empfehle ich aber dringend eine Klangoptimierung (siehe unter “Klangoptimum”).  5

9.  Flohmärkte und solches
Das ist doch unser aller Traum: Du geht auf den Flohmarkt um die Ecke und dort hat der Opa aus dem Nachbardorf die alte Gitarre seines Onkels vom Dachboden befreit. Preis 100 Euro. Marke: Lang.

So genug geträumt. Ich selbst habe noch nie eine auch nur annähernd brauchbare Gitarre auf einem Flohmarkt oder “Antik”-Markt gefunden. Wenn ich zufällig eine Gitarre dort sehe, ist sie meistens auf 10 Meter Entfernung bereits keinen Schritt näher mehr Wert. Aber es gibt sie doch, diese seltenen Möglichkeiten... 5

10. Überarbeitung, Reparatur, Einstellungen.
Dieses entfällt selbstverständlich bei einem Kauf vom Gitarrenbauer. Aber selbst beim Kauf vom Händler sind oftmals bereits Einstellungen des Halses und der Brücke notwendig. Das liegt aber nicht am Händler, sondern an den Herstellern. Bei anderen Instrumenten sind vielleicht auch kleinere oder größere Reparaturen notwendig.

Das hier ist nicht der Platz, zu erklären, wie das geht. Wenn ihr es nicht wisst, lasst es jemanden machen, der es weiß. Man lernt es auch nicht durch eine Beschreibung im Internet. Lasst es euch ausführlich zeigen. Am besten ist der Weg zu einem entsprechenden Fachmann.Grundlegendes findet ihr unter Tips: Einstellungen, Reparaturen...

Fazit: Reparaturen und größere Einstellungen nur vom Gitarrenbauer oder sonstigem Fachmann durchführen lassen. Eine Auswahl findet ihr unter “Reparatur”.  5

11. Einspielen
Das Spielen des Instrumentes beinflusst sein Klangverhalten. Näheres siehe unter der eigenen Tip-Rubrik “
Einspielen”.  5

12. Klangoptimierung
Ein umstrittenes Thema. Näheres findet ihr unter “
Klangoptimum”.  5

 

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