Archtop-Germany   Tips: Hörtips

Bei diesen Hörtips, möchte ich Allen die Möglichkeit bieten, eine CD / DVD vorzustellen, die für Euch etwas besonderes ist. Bitte schickt mir eine E-Mail mit dem Titel, Interpret und einer Beschreibung. Die Einsendungen werden einfach dem Eingang nach oben angefügt.

bj_psychedelicBoogaloo Joe Jones – Psychedelic Soul Jazz Ivan Joseph „Boogaloo Joe“ Jones ist Jahrgang 1940 und nicht weniger als ein Phänomen: hatte Bernard Purdie am Schlagzeug, Willis Jackson am Saxophon, wurde von Rudy van Gelder und für Prestige aufgenommen, und nahezu niemand kennt ihn. Er war in den späten 60ern und 70ern an der Amerikanischen Ostküste in der Gegend rund um Atlantic City und New Jersey aktiv, bis es irgendwann sehr still um ihn wurde. Man kann nur mutmaßen was aus ihm geworden ist. Ebenfalls ins Land der Spekulation gehört die Frage warum Boogaloo Joe nicht in einem Atemzug mit dem späteren Grant Green, Billy Butler, oder dem frühen George Benson genannt wird. Die wenigen Bilder die es im Netz von ihm zu sehen gibt zeigen ihn mit allerhand Gibson Modellen, der Barney Kessel mit dem Double-Cutaway, einer ES 330, ES 350,
etc. In der Regel dominiert bei ihm ein warmer, mittiger P-90 Sound, der eben an Grant Green erinnert.

Hier wird souverän gegrooved bis der Arzt kommt! Nicht nur das superbe Drumming rechtfertigt den Kauf, Boogaloo Joe’s Spiel ist ein Ausdruck schierer Lebensfreude. Ein sehr harter, perkussiver Anschlag und Soli, die trotz ihres melodischen Gehalts eindeutig den Groove im Vordergrund belassen und viele repetitve Riffs beinhalten. Die Intensität ist unglaublich, manchmal hört man Charles Earland während seiner Orgeleskapaden laut rufen (Blues!), und die Band setzt noch einen drauf, ohne je geschmacklos oder exaltiert zu wirken. Es wird auch oft die Pop- und Rock-Musik gestreift: The Doors, Carole King, Cream erhalten alle den Blaxploitation-Stempel gewürzt mit einem Schuß urbanem Straßenschmutz.

Die große Stärke dieses Gitarristen ist und bleibt allerdings der bluesige Funk (oder umgekehrt), kleine Vamps auf denen er sich elegant austobt. Das ganze Paket wird als Acid Jazz vermarktet, was ja auch in manchen Kreisen auch als Schimpfwort gesehen wird. Ich rate jedem sich selbst ein Bild zu machen. Meiner Meinung nach wird Musik dieser Art kaum noch gemacht und jeder der Platten der oben genannten Gitarristen besitzt kann bei Boogaloo Joe Jones bedenkenlos zugreifen.
Thilo Hornschild

 

pl_self_portraitPeter Leitch “self portrait” 
Peter Leitch legt mit “self portrait” seine erste Solo-CD vor und sie ist, um es vorweg zu nehmen, ein Genuss in Spiel und Sound. Einige Standards, einige Originalkompostionen, das ist auch ein guter Mix. Leitch hat seine Höfner “Attila Zoller Award” im Studio über einen Polytone Amp abgenommen; ein Mikro vor dem Amp, eine Spur Amp-Ausgang direkt und mehrere Mikros vor der Gitarre. Die Mischung ist sehr überzeugend. Und wie Leitch da spielt: Leichtfüßig (äh, ich meine natürlich ...fingerig :-), flitzt er über seine Saiten, harmonisch bedeutend; er hat etwas auszusagen. Wie Peter Leitch selber sagt: “Jazz improvisieren solo ohne Begleitung, das gleicht einem Hochseilakt”.

Nun Peter ist jedenfalls ohne zu schwanken und zu zaudern am anderen Ende des Seiles angekommen. Ich möchte diese CD allen Fans von Solo Archtop-Playing wärmstens ans Herz legen. (ap)

 

wg_manzecchiPatrick Manzecchi “ready and able” (Guitar: Wesley G)
Es gibt manchmal besondere Momente... Bei einem Konzert von Lorenzo Petrocca in Rosenheim hatte ich das Vergnügen, seinen Drummer Patrick Manzecchi kennen zu lernen. Ein Trommler, wie man sich ihn als Begleiter wünscht: unauffällig virtuos groovend, aber in der Lage den Vordergrund zu füllen (siehe Konzertbericht). Nach dem Konzert, schon im Ausgang, drückte er mir eine CD in die Hand: “Die ist von mir, aber eigentlich ist es eine Jazzguitar-CD, ich glaube, sie wird Dir gefallen” sagte er und widmete sich weiter dem Abbau seines Schlagzeugs. Eine sehr nette Geste und er hatte natürlich recht.

In der Verpackung der CD von Patrick Manzecchi lauert der Mitschnitt eines richtig guten Live-Konzertes in der Besetzung Wesley G-g, Andy Herrmann-p, Jimmy Woode-b, Patrick Manzecchi-dr. Um es ganz klar zu sagen: Das ist richtig gut, Es gab keine Probe, sondern gleich auf die Bühne und Standards go... Gut aufgenommen und was die Musiker da spielen, macht einfach Spaß beim zuhören. Wesley G zeigt sich in bester Spiellaune und zaubert höchst virtuos mit mit warmem, aber druckvollen Sound wunderbare Soli. Absolut Hörenswert! Im letzten Stück liefert er zitierend eine 1:1 Kopie von B.B. King :-)

Wer berechtigterweise neugierig ist: Reinhören und Kaufen bei Satin Doll, Infos zu Musikern: Wesley G , Patrick Manzecchi
Andreas Polte

legends2DVD Legends of Jazz Guitar Vol. 2
Auf dieser DVD sind tatsächlich Legenden der Jazzgitarre versammelt, meines Wissens ist dies sogar das einzige Video, in dem Grant Green auftritt, leider nur bei einem Stück. Gemeinsam mit Kenny Burrell und Barney Kessel spielt er Blue Mist - und etabliert sich im direkten Vergleich mit den beiden bekannteren Gitarristen als eleganter Stilist mit schönem akustischem Ton (OK, Green ist echt mein Liebling und der Grund, warum ich mir diese DVD zu Weihnachten geschenkt habe). Dieses Stück eröffnet die DVD, gefolgt von Wes’ Hot House. Und in dieser Klasse geht es weiter.
Alle Performances sind über jeden Zweifel erhaben, dies sind die Meister (neben den genannten Charlie Byrd und Joe Pass mit jeweils 2 Songs). Die Dekoration der 60er und 70er Jahre Fernsehstudios ist einfach Kult (ebenso wie Barney Kessels Samtjackett). Der Ton der historischen Aufnahmen ist zum Teil etwas verrauscht - aber sobald die Besen übers Fell streifen, wie in Wes’ gefühlvoller Interpretation von Round Midnight hört man das ja nicht mehr. Der eigentliche Ton ist immer klar und präsent. Die Kamera rückt den Gitarristen zum Teil, nah an die Finger, so ist diese DVD auch als Lehrmaterial für Gitarristen ergiebig. Man kann z.B. genauestens Kessels Solo-Einleitung zum „BBC Blues“ verfolgen. Da jucken die Finger.
Und für Archtop-Gitarren Liebhaber gibt es hier die berühmten Instrumente (Kessels ES 350, Greens Epiphone, Burrells D’Angelico und Gibson) in Aktion zu hören und vor allem zu sehen. Und ganz nebenbei liefert die DVD mal wieder einen Beweis, dass der Klang tatsächlich aus den Fingern kommt: Burrell spielt einen Song auf einer akustischen Flattop und klingt dabei wie? Na klar, wie Burrell!
Stephan Neetenbeck

StandBobby Broom “Stand!” (Premonition 2001)
Warum gerade Diese und keine von Barney Kessel oder alle von Grant Green? Nun, die beiden sind tot und weitgehend bekannt, Bobby Broom dagegen ist ein aktuell spielender Musiker, Anfang 40 und in Europa weitgehend unbekannt - trotz einer Wunderkind-Vergangenheit, in der er schon mit 16 Jahren die Bühne mit Sonny Rollins teilte. Außerdem endorst er mit der Höfner Jazzica eine Gitarre eines deutschen Herstellers. Stand! ist eine Sammlung seiner persönlichen Pop(!)-Lieblingssongs der 60er, gespielt von einem unverkennbar jazzigen Gitarrentrio, bestehend aus Broom, Dennis Caroll und Dan Hall, das wunderbar interagiert und mit dem recht einfachen Material spielt, ohne dieses jemals künstlich aufzublasen oder zu verkomplizieren.
Dabei sind im Repertoire dieser CD eigentlich "verbrannte" Stücke wie House of the Rising Sun und Condor Pasa, die entweder als Anfänger-Material gelten oder einem durch peruanische Panflöten-Virtuosen in der Fußgängerzone verleidet werden. Das Trio um Mr. Broom spielt diese Stücke so, dass sie wieder Spaß machen. Broom selbst begeistert mit rundem Ton und einem motivorientierten Konzept, macht sich auf die Suche nach langen Spannungsbögen in der Kommunikation mit Bass und Schlagzeug und findet damit zu zeitlos schöner Musik - sicherlich der Grund, warum diese CD in den letzten Monaten öfter als andere in meinem CD-Spieler gelandet ist.
Bobby Broom hat mit Modern Man etwa zur gleichen Zeit eine weitere CD mit Pop-Material veröffentlicht - hier allerdings mit einer Allstar Band mit Saxophon und Hammondorgel, die durchaus auch hörenswert ist (Anspieltipp: Clapton's Layla) - den puren Broom mit seiner Working Band gibt es auf Stand! Hörproben und Info:
www.bobbybroom.com
Stephan Neetenbeek

exitPat Martino “Exit” 02/1976 LP
In meinen Anfängen verschiedenste Jazz Gitarristen zu hören bin ich auch zufällig über diese Platte gestoßen - klar, Jim Hall, Barney Kessel, Joe Pass, John McLaughlin, Wes Montgomery usw. habe ich alles gehört, hat mir auch sehr gut gefallen, aber letztlich, mein Sound bzw. mein Wunsch später mal so spielen zu können, war es nicht umbedingt. Doch dann kaufte ich mehr zufällig diese Platte bei "Jazz by Post" (ein lustiger Laden mit Rohrpostsystem) und war hin und weg. Genau das ist es: Starke, klare z.T sehr schnelle Linien - endlos Gefühl - ein klares Konzept - Akkorde punktgenau und sparsam und dieser warme, dunkle Gitarrenton - wow !! Das alles noch in Verbindung mit unkonventionell umgesetzten Standards - so möchte ich auch spielen in ein paar Jahren.
Aus den Jahren wurden Jahrzehnte und bis heute hat sich dieser Wunsch leider nicht erfüllt, das nur nebenbei. Aber der starke Eindruck ist geblieben. Zwischenzeitlich habe ich natürlich weitere Veröffentlichungen von Pat Martino gehört und alles ("All Sides Now" ist nicht so meins) ist wirklich super. Aber dennoch: Dürfte ich nur eine Platte mitnehmen, dann wäre es diese !! Anmerkung: Es gibt diese Platte auch als CD - ist leider nicht identisch mit der LP (I Remember Clifford/ Solo ist anders)
Felix Hartl

bill-connors-returnBill Connors “Return”
nach wie vor meine Lieblings Jazzgitarrenarchtopzehdeh: Bill Connors " Return "
Tja, der Gitarren Sound (L5 Bj. 92 , hat mir der Meister selbst gemailt) ist sagenhaft und erinnert mich an den frühen Pat Martino (Exit). Die Kompositionen und die Produktionen hauen mich schlichtweg jedes Mal vom Hocker. Meines Erachtens habe ich noch nie einen Archtopsound in so einer Qualität gehört. Die Amis haben es eben raus... Kann mir diese CD nicht satthören.
Ansgar Specht

 

conciertoJim Hall u.a. “Concierto” (1976) “Zunächst konnte ich mich nicht zwischen dieser Platte und George Benson´s “Breezin” entscheiden. “Concierto” kam 1976 raus und ich hab davon durch Joachim E. Behrend's tägliche Radiosendung erfahren (er hat sowieso ganz viel Schuld daran, dass ich mit dem Jazz angefangen habe...). Also gleich zur Phora nach Mannheim gefahren und mit dem sauer verdienten Taschengeld (das, was nach den obligatorischen neuen Saiten, einmal pro Monat, noch übrig war !) das Album gekauft. Die Platte hat den Plattenteller wochenlang nicht verlassen und die über 20-minütige Fassung des Titelstücks (von Don Sebesky sehr geschmackvoll arrangiert) war sogar bei meinen Kumpels samt Freundinnen ein Hit, die sonst bei Jazz nur die Nase rümpften!

Der Sound von Jim's ES 175 hat meine Vorstellung von einem idealen Archtopklang nachhaltig beeinflusst und im Laufe meiner Karriere habe ich nach und nach sämtliche Titel der LP auch nachgespielt bzw. transkribiert/analysiert. Die Mitspieler sind von allererster Güte : Ron Carter, Steve Gadd, Chet Baker, Paul Desmond und Sir Roland Hanna und sie passen sich ganz wunderbar der relaxten und sanft-melancholischen Grundstimmung dieser Produktion an. Jim Hall ist kein Vertreter der Griffbrett-Artisten-Abteilung (obgleich hohe Tempi überhaupt kein Problem darstellen: siehe Jimmy Guiffre Trio) und obwohl seine Linien oft sehr abstrakt werden können, spielt er mit so viel Herz und auch Humor, dass nie der Eindruck entsteht, er spiele für sich selbst - der satte und warme und doch durchsichtige Klang seiner Gitarre hat bekanntermaßen einen erheblichen Anteil daran. Mittlerweile besitze ich die CD-Version dieser Platte, höre sie nach wie vor mit größtem Vergnügen und kann immer noch kleine Juwelen darin entdecken. Ein meiner Meinung nach zeitloses Meisterwerk, allen Freunden der Jazzgitarre wärmstens zu empfehlen. noch ein Tip am Rande: ähnlich wie mit der "Kind of Blue " von MIles verhält es sich hier auch : Jazz for people who hate jazz .... ;-)”
Viele Grüße, Christian Lassen

DjangoIntégrale Django Reinhardt Vol.13 (1946-1947) "Echoes Of France" “Darauf sind die ultimativen Live Recordings von den Stücken: - Ride, Red, Ride (2:18) - A Blues Riff (3:49) - Honeysuckle Rose (3:40) zusammen mit dem Orchester Duke Ellingtons!
Zur Geschichte: Django Reinhardt machte diese mehrwöchige USA Tour 1946 (nicht nur zwei NY Konzerte!), mit den beiden bekannten Abschlusskonzerten in der NY Carnegiehall. Trotz großem Erfolg (wird leider oft anders dargestellt), war die Tour aber wohl nicht das, was Django sich persönlich erhofft hatte. Es blieb seine einzige Reise in die USA. Obwohl man ihn später gerne nochmal geholt hätte. Django hatte keine Gitarre dabei. Die erhofften Endorser Angebote kamen nicht. Artie Narvaez, Gitarrist von Artie Shaws Orchester lieh Django seine 1939 Gretsch Synchromatic 400 für Aufnahmen mit Harry Volpe. Hierbei entstanden die bekannten Bilder mit der Gretsch Synchromatic 400 und Harry Volpe im Duett. Ob und welchen Deal es mit Gretsch gab ist nicht klar. Django benützte diese Gitarre ebenfalls für die Vorbereitung seiner Konzert Tournee mit dem Duke Ellington Orchester. Aber meines Wissens nicht für die Tour selber. Er bekam von einem amerikanischen Freund für die Tour dort eine Epiphone Zephyr mit Tonabnehmer geliehen. Diese dürfte er auf den anfangs besonders erwähnten Aufnahmen dieser CD hier spielen. Von Django Reinhardt gibt es viele hervoragende Aufnahmen. Die meisten seiner späten "elektrischen" Stücke entstanden jedoch mit seiner akustischen Selmer O-Loch, bestückt mit einem Stimer. Diese drei Aufnahmen jedoch sind Archtop Aufnahmen mit PU- und das absolut beste, was ich je von Django gehört habe. Schwebend, leicht, Wahnsinnssound, Raumklang - und genau auf der Grenze zwischen Swing und Bebob. Diese Aufnahmen sind meines Wissens auschließlich auf der Intégrale Nr 13 enthalten.”
Axel Schuch

BigBluesJim Hall u.a. “The Big Blues” (1978) “Jim Hall gehört zu meinen stärksten Einflüssen, seine Art Melodien zu interpretieren, Akkorde zu setzen und zu improvisieren hat enorm viel Seele und Feingefühl; außerdem ist sein Spiel auf allerhöchstem Niveau. Auch sein warmer, weicher und trotzdem percussiver Ton hat sehr viel Einfluss auf mein Spiel gehabt. Michael Borner sagte zu mir, als ich bei ihm eine zeitlang Unterricht nahm: “Du klingst wie Jim Hall”. Das war für mich gleichzeitig ein Kompliment, weil ich zu dieser Zeit tatsächlich versuchte so zu klingen, als auch eine Mahnung vor reinem Kopieren.

Big Blues habe ich nicht nur wegen Jim Hall´s wunderbaren Spiels in mein Herz geschlossen, auch die anderen Musiker gehören zu meinen Favoriten: Art Farmer wegen seines schönen Flügelhornsounds, der sich unglaublich gut mit dem warmen Ton Halls ergänzt. Steve Gadd-dr und Mike Mainieri-vib sprechen ohnehin für sich. Die vier Stücke “Whisper Not”, “A child is born”, “Big Blues” und Ravels “Pavane for a dead princess” sind allesamt sehr stimmungsdicht und mit großer musikalischer Schönheit interpretiert.”
Andreas Polte

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