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Stephan KramerSeven-String Einsteigerworkshop

Stephan Kramer ist einer der wenigen Seven-Strings-Profis in Deutschland. Er lebte sieben Jahre in New York. Er hat durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Sheila Jordan und vielen anderen SängerInnen der New Yorker Szene einen reichhaltigen Wortschatz auf seinem Instrument entwickelt. Durch die intensive Beschäftigung mit der Jazzlehre des legendären Pianisten und Lehrers Barry Harris entstanden für Stephan ganz neue harmonische Ausdrucksmöglich- keiten auf seiner Gitarre.

“Die erste Überlegung beim Einstieg ins 7-saitige Spiel ist natürlich, ob man eine Basssaite oder eine hohe Saite hinzufügt. Lenny Breau ist vielleicht der bekannteste Spieler, der eine hohe A-Saite benutzt hat. Die wird vom Material her dann schon sehr dünn, so dass er sich eine Gitarre mit kürzerer Mensur hat bauen lassen.

Die meisten Jazzspieler entscheiden sich für eine zusätzliche Basssaite, und soweit ich es erlebt habe, stimmen die meisten diese Saite auf ein tiefes A (eine Oktave unter der fünften Saite). Die Saite auf H zu stimmen, um damit die Quartstimmung nach unten fortzusetzen, scheint im Rockbereich sehr viel verbreiteter zu sein (siehe Steve Vai und John Petrucci).

Ich habe von Anfang an auf das A gestimmt, wie es George Van Eps in den 40ieger Jahren für die Jazzgitarre vorgemacht hat.

Der Einstieg in das Spiel mit dieser zusätzlichen Saite hat ein paar verschiedene Komponenten. Wie zu erwarten, muss man sich überlegen, wie die zusätzlichen Basstöne ins Spiel integriert werden können. Da war für mich der wichtigste Tipp, den mir mein Freund Fred Fried mitgegeben hat, erstmal die Voicings mit dem Grundton auf der regulären A-Saite, so zu ändern, dass ich den Grundton eine Oktave tiefer auf der siebten Saite spielen kann. Das sollte man erstmal in Ruhe ausprobieren, um die entsprechenden Fingersätze zu erarbeiten.

Zum Beispiel kann man einen halbverminderten Akkord, mit Grundton auf der A-Saite, bei dem jeder Ton mit einem Finger gegriffen wird, und der sich aufbaut: Grundton, verminderte Quinte, Septime und kleine Terz, ganz gut „oktavieren“, indem man den Grundton eben auf die siebte Saite legt. Der nächste Schritt wäre dann dies mit einem entsprechenden Septakkord (der kann ruhig auch ohne siebte Saite gespielt werden) zu verbinden, so dass sich eine Moll II-V Kadenz ergibt.

Am Anfang ist es sinnvoll, Akkorde zu bearbeiten, die keine Barre-finger enthalten, da diese, auf Grund des zusätzlichen Kraftaufwandes für die siebte Saite, etwas anstrengend sind.

Wenn man sich dann mit der neuen Lage des Grundtones der verschiedenen Akkordtypen vertraut gemacht hat, kann man anfangen sich die Lage anderer Akkordtöne auf der siebten Saite, im Verhältnis zum jeweils gegriffenen Akkordtypen klar zu machen. Dies wäre der erste Schritt in Richtung „walking bass“. Eine hier nahe liegende Lösung, die man viel bei Bucky Pizzarelli zum Beispiel auf seiner Duoaufnahme mit Zoot Sims, hören kann, ist es die Quint und Oktave zu nutzen. Diese liegen ja relativ bequem, bei Akkorden mit reiner Quinte, immer auf demselben Bund, auf der jeweils nächsten und übernächsten Saite. Hier kann man sehr gut die Latinrhythmen mit quasi Wechselbassbegleitung nach unten erweitern. (Auch für den Volksmusik und Countryeinsatz eine „schnelle“ Lösung!)

Der andere wichtige Aspekt ist das Eingewöhnen der rechten Hand. Hierbei muss man sich, egal ob man mit Plektrum, Fingern oder einer Kombination von beidem spielt, einerseits an die neu hinzugekommene Saite gewöhnen. Dies läuft relativ parallel als logischer Teil der Übungen für die linke Hand.

Andererseits muss man auch lernen, wie jetzt die D- und G-Saite platziert sind. Hohe E- und H-Saite haben die meisten noch recht gut im „Griff“, aber bei D und G wird es dann schon ziemlich viel zu sortieren. Da hilft es erstmal einige Tonleiterübungen zu machen, die nicht mal die siebte Saite mit einbeziehen müssen. Ein recht großer, aber sehr hilfreicher nächster Schritt, wäre dann zum Beispiel ein schon bekanntes Bebop-Thema zu nehmen und in reduziertem Tempo mit der neuen Saitensituation einzuüben.

Das schafft dann schon sehr viel mehr Klarheit.

An Noten oder Lehrbuchmaterial gibt es meiner Meinung nach noch nicht so wirklich viel, was zu empfehlen ist, da die oben beschriebenen Schritte den meisten als Einstieg schon genügen, könnten. Und, es erscheint wenig sinnvoll, sich noch eine Akkord und Skalentabelle zu kaufen, da man sich ja, wenn man ins siebensaitige Spiel einsteigt, meist schon mit dem Jazzgitarrespielen beschäftigt hat.

Sehr empfehlen kann ich Fred Fried’s website, auf der auch Video von seinem 7-saitigen Spiel zu sehen ist ( http://fredfried.com ) und unbedingt auf youtube George Van Eps anschauen. Auch die Tanskriptions-CD Packung von Bucky Pizarelli gibt einem sehr viel Material zum Studium.”

Copyright © 2007 Stephan Kramer  Email an Stephan

 

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