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Workshop von Peter Autschbach „Blues for Joe“

Peter Autschbach„Blues for Joe“ ist ein Solo über einen Standard-Jazzblues. Kaum eine Akkordverbindung wird häufiger gespielt als der Blues, und viele wichtige musikalische Dinge kann man am Beispiel des Blues lernen. Der Jazz-Blues unterscheidet sich von der „normalen“ Bluesform vor allem durch die erweiterten Akkorde, die von Spieler zu Spieler variieren. Die Musiker, die gerade den Blues zusammen spielen, sollten sich möglichst auf eine gemeinsame Akkordverbindung einigen. Wenn man allein spielt, können die Variationen natürlich mutiger sein.

Die 12-taktige Basis-Akkordfolge für einen Jazz-Blues in Bb lautet:

//  Bb7  /  Eb7  /  Bb7  /  Bb7alt /  Eb7  /  Eº  /

/  Bb7  /  G7 /  Cm7 /  F7  / Bb7 G7 / Cm7 F7 //

Die Akkorde, deren ich mich bei „Blues for Joe“ bedient habe, halten sich an diese Basis-Akkordfolge.

Hier einige Tipps zur Akkord-Erweiterung:

Wenn Euch diese Regeln vollkommen fachchinesisch anmuten, empfehle ich Euch, ein gutes Harmonielehrebuch durchzuarbeiten, das lohnt sich in jedem Fall.

1. Auf gute Stimmführung achten: Keine beliebigen Sprünge, möglichst wenig Bewegung zum nächsten Akkord.

2. Man kann für jeden Moll-Akkord auch einen Dominantseptakkord spielen (also A7 statt Am7, D7 statt Dm7).

3. Man kann statt der ersten die dritte Stufe, also Em7 statt Cmaj7 spielen, denn Em7 = Cmaj9 ohne Grundton.

4. Alle Akkorde lassen sich durch 9, 11 und 13 erweitern.

5. Dominantseptakkorde können alteriert werden (b5, #5, b9, #9). Die dazu passende Skala ist die alterierte Tonleiter (1, b9, #9, 3, b5, #5, b7). Man kann als Akkordsymbol statt z.B. G7#5#9 einfach G7alt schreiben, dann kann der Interpret sich aussuchen, ob er b5, #5, b9 oder #9 spielt.

6. Alterierte Akkorde können durch den Dominantseptakkord ersetzt werden, der eine verminderte Quinte über (oder unter) dem Original-Akkord liegt. Die Skala für den neuen Akkord ist mixolydisch #11 (1, 9, 3, #11, 5, 13, b7). Also: Eb7 statt A7, Ab7 statt D7, F#7 statt C7 oder mit Erweiterungen: Db 79 oder Db7#11 oder Db13 statt G7alt. Db mixo #11 hat exakt die gleichen Töne wie G alteriert, das ist der Grund, warum das funktioniert. Diese wichtige Form, einen Akkord zu ersetzen, nennt man „Tritonus-Substitution“.

7. 7. Lässt man bei z.B. A7b9 den Grundton weg, bleibt C#º übrig. Mit dieser Methode wandert der Bass bei V-I chromatisch aufwärts.

Beim langsamen Durchspielen werden Euch einige „falsche“ Basstöne auffallen. Hierbei handelt es sich um „Ghost Notes“.

Blues for JoeGhost Notes sind leere Saiten, die kurz vor einem darauffolgenden „richtigen“ Ton gespielt werden und diesem so zu etwas mehr Brisanz verhelfen. Dass die betreffende leere Saite manchmal zum nachfolgenden Akkord nicht ausgehalten werden könnte, stört deswegen nicht, weil die Töne so kurz sind und deshalb das Ohr nicht genügend Zeit hat, um das Verhältnis von Ghost Note zu darüberliegender Harmonie als störend zu empfinden.

Man könnte die leeren-Saiten-Ghost-Notes auch greifen und tonal eindeutig machen, aber das Gitarristenleben ist schon hart genug, und wer weiß ob dann der erwünschte Fluss noch gegeben wäre. Zum Glück ist die Gitarre so schön neutral gestimmt, man hat mit leeren Saiten nicht eine bestimmte Tonart bevorzugt. Eine wichtige Eigenschaft des Standard-Gitarrentunings, mit Sicherheit sogar ein großer Vorteil. 

Hier nun die Noten mit Tabulatur als pdf:   Blues for Joe

und auch das Stück zum Hören als mp3:   Blues for Joe

Fragen, Anmerkungen etc. bitte im Forum

Viel Spaß mit „Blues for Joe“ wünscht Euch

Peter ( www.autschbach.de )

 

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