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3 Fragen an Andreas Polte
Warum ist eine Archtop weiblicher als andere Gitarren und warum ist es gar nicht so schwer ist einen Sampler mit Archtop-Musik herauszugeben? Fragen, auf die Andreas Polte in einem gitarre.fm Kurzinterview Anworten findet.
gitarre.fm: Du betreibst mit archtop-germany.de ein Portal für Archtop Gitarren. Woher kommt die Liebe zu dieser Gitarrenform?
Andreas Polte: Die Faszination zu dieser speziellen Gitarrenform hat sich einerseits mit meiner musikalischen Entwicklung von Blues über Rock zum Jazz ergeben, weil ich erkannte, dass ich den Ton, den ich in mir klingen hörte nur mit einer Archtop erzeugen konnte. Meine erste “richige” Archtop war dann eine Gibson ES 175 von 1959. Aber irgendwann bin ich dann auf massive Fichtendecke umgestiegen… Und zwar gleich in die Vollen: Gibson Super 400. Die hatte mir Ali Claudi angeboten. Ali war übrigends ebenfalls verantwortlich für mein “Archtop-Fieber”; die Begnung mit ihm kann ich nur als folgenschwer bezeichnen. Ich besitze heute einige sehr interessante Instrumente, drunter in der Hauptsache Archtops von deutschen Gitarrenbauern, die übrigends oftmals von wesentlich höherer Qualität sind als wesentlich teurere Gitarren aus den USA… Aber auch optisch finde ich eine Archtop sehr ansprechend; sie ist sehr “weiblich”. Durch die dezente Wölbung von Decke und Boden ist dies ausgeprägter als bei anderen Gitarrenarten.
gitarre.fm: Du hast in Deiner musikalischen Laufbahn viele bekannte Musiker getroffen. Unter anderem bist Du Atilla Zoller und Larry Coryell begegnet und hast mit John Goldsby und Ali Claudi zusammen gespielt. Gibt es jemanden, der Dich in besonderer Weise beeindruckt hat?
Andreas Polte: Oh ja, da gibt es viele, aber ganz besonders war schon die sehr nette und angenehme Art von Atilla Zoller. Auch musikalisch hat er mir sehr entsprochen. Es war eine sehr große Ehre für mich, mit ihm auf einer Gitarre zusammen spielen zu dürfen. Auch John Goldsby ist einfach super. Wenn er “hinter” Dir den Bass spielt, kannst Du dich auf diese Musik einfach aufsetzen, es ist wirklich unglaublich. Sehr intensiv war auch ein Jam mit Lilian Boutte. Sie hat eine faszinierende Austrahlung. Larry Coryell war ebenfalls total nett und musikalisch eben ein Gigant. Aber da gibt es auch Namen, die nicht so berühmt sind und die nicht minder wichtig waren für mich. Rolf Römer und Jens Neufang zum Beispiel (beide WDR-Big Band) haben mir sehr viel gebracht. Ich bin diesen und vielen hier jetzt nicht genannten Musikern sehr dankbar, dass ich bei Ihnen musikalisch “wachsen” durfte.
gitarre.fm: Du hast mit “Solo Archtop Guitar” und “Duo Archtop Guitar” wohl einzigartige CDs herausgebracht. Die Stücke sind von verschiedenen Musikern, darunter so profilierte Gitarristen wie beispielsweise Peter Autschbach, Brendgens-Mönkemeyer und Frank Haunschild, auf Archtop Gitarren eingespielt. Ich finde es unglaublich, wen Du da alles unter einen Hut gebracht hast. Wie hast Du das angestellt und wieviel Arbeit steckt in den CDs?
Andreas Polte: Das war eigentlich gar nicht so schwer, wie es zuerst den Anschein hat. Archtop-Germany genießt einen sehr guten Ruf in dieser Szene und es ist für die meisten Archtop-Player wichtig, auf den Samplern vertreten zu sein. Ich hatte mehr Musik zur Verfügung als ich unterbringen konnte. Nichtdestotrotz muss ich hier sehr betonen, wie dankbar ich all diesen wunderbaren Musikern bin, dass sie bei meinen Projekten dabei sind. Der Kontakt mit ihnen ist oftmals sehr persönlich und das macht mir große Freude. Trotzden steckt natürlich auch viel Arbeit in den CDs, aber es ist die Art von Arbeit, die Spaß macht. Es wird auch weiterhin neue Sampler unter dem Titel “Archtop” geben. Momentan denke ich an das Thema Archtop-Orgel-Schlagzeug oder einen zweiten Teil von Solo-Archtop.
Stefan Kornherr, 10.11.2009
Jazzpodium 5-2005 - Portrait von Alexander Schmitz
Eigentlich sollte es nur mal wieder ein Meeting befreundeter Jazzspieler mit Archtop-Gitarren werden. Dann wurde es www.archtop-germany.de, eine kleine, feine Oase im virtuellen Nirvana: Andreas Polte, Enthusiast für edle Jazzgitarren, selbst Musiker und Komponist mit beachtlichem Organisationstalent, hat binnen kürzester Zeit seine Website zur einer echten Institution gemacht.
Die Musik hat er im Blut. Das Elternhaus ist musikalisch, ein Großvater war Violinist, ein Urgroßvater Dirigent. Andreas, Jahrgang 1958, macht sein Abi in Bergneustadt bei Köln. Ein griechischer Freund regt den 16jährigen zum Gitarrespielen an.
Er bekommt eine Höfner Nylonstring und Unterricht, der ihn allerdings frustriert und zum Autodidakten macht, der gründlich von Platten lernt. Noch 16, gründet der Genesis-Freak seine erste Band und schreibt mit 17 Songs, Mixturen aus Blues, Art-Rock und Folk. Statt Band dann Bund, wo ihn in der Kaserne ein Kamerad mit selbstgespieltem Django Reinhardt bekannt macht, der Neid und Frust auslöst, aber keine nachhaltigen Spuren hinterlässt. Wieder daheim und in Zivil, rufen ihn lokale Top-Musiker zu neuen Aktivitäten. Er spielt fast nur Einkompositionen, „eine Mischung von Santana bis Funkrock. Ein US-Sänger und -Gitarrist stößt hinzu, Pete Louis, und da hört er erstmals „richtigen“ Jazz, „Detroit style“. Er kommt auf Larry Carlton und eine ES-335. Daneben spielt er in einem Akustikgitarren-Trio „zum ersten Mal Jazz“, eine Mélange aus Swing, Gypsy Swing und Bossa. Das legendäre Album „Friday Night in San Francisco“ hat Kultstatus, also legt Polte sich eine Ovation zu. Wirtschaftliche Erwägungen verschütten den Traum vom Musikstudium. Nach dreijährigem Studium nennt er sich, jawohl, „Diplomverwaltungswirt“.
Er gründet ein Septett namens „Seven Steps“ und steckt längst mittendrin, im Jazz. Wes Montgomery ist nun der Herr im Pantheon; Jim Hall, Joe Pass und Pat Martino bewahren vor purem Wes-Eklektizismus. Die Ovation und eine Les Paul Custom werden verkauft, und er ist stolzer Besitzer einer ’59er Gibson ES-175. Ende 20 ist er, als er festgefahren scheint: Er nimmt wieder Unterricht, bei Michael Borner. Er besucht Sagmeister-Workshops und nimmt Einzelunterricht bei Paul Shigihara, der heute in der WDR-Bigband spielt und den er „auch heute noch für den komplettesten Gitarristen in Deutschland“ hält.
Der Mainstream bannt den frischgebackenen Archtopper. Die Begegnung mit Ali Claudi nennt er „folgenschwer“, weil sie ihm endgültig das „Archtop-Fieber“ beschert. Mit Claudi musiziert er im Duo („sogar in Kroatien waren wir zweimal“), und er bekommt Gelegenheit zum lehrreichen Zusammenspiel mit immer mehr Big Shots der Szene, Les Searle darunter, aus der WDR-Bigband Ralf Römer, Jens Neufang und Bernt Laukamp, und Sessions mit Bart van Lier, Johannes Faber, Lilian Boutte, Broris Frumkin und sogar mit Larry Coryell und Attila Zoller. Letzterer kommt ohne Gitarre in den Jazz-Keller und borgt sich Poltes aus. Der bittet um ein Erinnerungsfoto, das er nur unter der Bedingung zugesagt bekommt, dass er mit Zoller zusammenspiele – auf nur einer Gitarre, „er die hohen drei Saiten, ich die tiefen“. „Satin Doll“ garantiert das Foto.
Mittlerweile ist „Fichtendecke angesagt,“ des Sounds wegen. Er spielt erst eine „Johnny Smith“ und dann eine von Claudi erworbene „Super 400“, die auch heute noch sein Hauptinstrument ist.
Andreas organisiert zahlreiche regionale und überregionale Konzerte, Themen-Events und Festivals und gemeinsam mit Stefan Heidtmann das alljährliche dreitägige „Jazzmeeting Oberberg“. Der „Spezialist für Leute, die nicht kapieren, wie man improvisiert, unterrichtet Einzelschüler. Studiert an der Fern-Uni Hagen „Kulturmanagement“. Und bringt seine erste CD heraus, „Some of the songs I did“, einen Längsschnitt durch die Entwicklungsjahre.
Dann fällt der Vorhang. Eine „sehr seltene Herzkrankheit, die weder operabel, noch heilbar ist“ bringt ihn für lange Zeit ins Krankenhaus und dann in eine Phase der „Neuorientierung in allen Bereichen“ inklusive geographischer Veränderung. Aber „weil ich ja eigentlich nichts anderes mehr zu tun hatte, packte mich die Musik ganz und gar“. Seitdem beherrsche ihn „eine kreative Unrast“. In der Klinik macht er aus deutschen Weihnachtsliedern Mainstream, gründet später mit Alexander Hopff, p, und Martin Zobel, flh ein Trio und nimmt die CD „Christmas Jazz“ auf.
Außerdem schreibt er für sein Duo mit dem Violinisten Michael Zirwes Crossover-Arrangements, in denen aus Dvoraks Sinfonie aus der Neuen Welt „Night and Day“ oder aus der „Moldau“ peu à peu „Manhas da Carnaval“ wird. Die neueste CD „ATP – Jazz-Trio“ nimmt er mit alten Weggefährten auf, dem Gitarrenkollegen Oliver Trost und Stephan Aschenbrenner, ts/ss – einer bizarren Besetzung, die der Herausforderung souverän und kompakt begegnet.
Weitere Umzüge, weitere Pausen vom Musikmachen. In den Neuen Ländern erfährt er Unglaubliches: dass westdeutsche Jazzmusiker nicht wohlgelitten seien („Wenn ein Veranstalter hörte, woher ich kam, war der Kontakt erledigt“). Wieder ein Stück weiter erinnert er sich an zwei Archtop-Meetings, die er einst in Nordrhein-Westfalen veranstaltet hat, für Freunde und Bekannte. So was will er wieder machen. Aber nun denkt er an „viele weitere Archtop-Gitarristen in Deutschland“. Und „was ist mit den Herstellern und den Händlern?“ Mehr und mehr Namen schreibt er in seine eigene Homepage. Dann geht alles ratzfatz, und er hat ein Konzept „für eine große Website“, in der es exklusiv um die „Archtop-Szene in Germany“ gehen soll. Das sei keine „Deutschtümelei“, sondern „beschränkt das Thema lediglich auf ein zu bewältigendes Maß. So was gibt es nicht im Internet. Und alle Gitarristen und Bauer und Firmen, die er kontaktiert, raten ihm zu. „Archtop-Germany ist sehr, sehr schnell die größte und informativste Internet- Plattform zum Thema Archtop-Szene in Deutschland geworden… Es erreichen mich viele begeisterte und ermutigende Emails und Anrufe. Es werden immer mehr. Mails aus Japan, den USA, England, Holland, Polen und Österreich bitten um Tips oder Hilfe. Archtop-Germany läuft ausgesprochen gut an! Es gibt fast täglich Updates.“
Wirklich alle Facetten um das Instrument will er mit www.archtop-germany.de abdecken, sagt er. Es gibt bereits eine „Archtop-Germany CD des Jahres“ („filigran“ des Acoustic Art Trio mit Klaus Sye an der D’Aquisto). Bald schon soll ein „Archtop-Germany Award“ folgen, „mit dem Personen bedacht werden, die sich besonders um die deutsche Archtop-Szene verdient gemacht haben.“ Schmankerl: Die Preisträger werden in den Folgejahren gleichberechtigt mitstimmen, wenn es um die Jahres-CD und die weiteren Awards gehen wird. Das „Archtop-Meeting“ übrigens ist keineswegs vom Tisch, auch wenn Andi Polte bereits neue Streiche im Kopf herumspuken, ein Buch über Archtop-Bauer vielleicht. Oder sogar ein Label. Wer weiß. Und wieder selbst mehr spielen wird er auch.
Was das „Archtop-Meeting“ angeht, sagt er, da fehle es noch an einem geeigneten Ort und mehreren Sponsoren. Interessierte mögen sich melden, bei andipolte@aol.com. „Das Meeting wird ein oder zwei Konzerte, eine Ausstellung, Raum zum Fachsimpeln, zum Jammen und vieles mehr bringen.“ So eine kleine, feine deutsche Archtop-Messe, träumt er, das wär’s doch.
Alexander Schmitz (Mai 2005) ...nach oben
Archtop-Germany - Interview von Peter Kleinschmidt im Mai 2005
Geboren 1958 in Bergneustadt, Nordrhein-Westfalen begann er seine musikalische Laufbahn mit 16 in dem er Blues, Beatles und Folksongs auf einer günstigen Höfner-Klassik zu intonieren versuchte. Sehr schnell begann eine “semiprofessionelle” Laufbahn. Für die Jazz-Initialzündung zeichnet, wie so häufig, Wes Montgomery verantwortlich. Unterrichte und Workshops absolvierte er bei Michael Sagmeister, Paul Shigihara und Michael Borner.
Er konzertierte u.a. in Besetzungen zusammen mit den bekannten Jazz-Musikern John Goldsby (USA), HansBraber (NL), Les Searle (GB), Rolf Römer (D) und seit 1997 mit der deutschen Gitarren-Legende Ali Claudi als Duopartner. Weiterhin war Gitarrist in Bernt Laukamps "Oberberg Big Band" (u.a. mit Bernt Laukamp, Jens Neufang, Björn Strangmann, Stefan Heidtmann...) Bisher sind drei CDs mit seiner Mitwirkung herausgekommen.
Wie bist du überhaupt auf Archtops gekommen?
Mit anderen Gitarren kann man nicht diesen schönen typischen Ton bekommen, also kaufte ich mir, als ich die Notwendigkeit zu diesem Ton für mein Spiel ekannte, eine Archtop. Es war eine 1959er Gibson ES 175 mit nur einem Pickup. Gory Hartl in Landsberg hat damals wegen meiner weiten Anfahrt sein Geschäft einen Tag lang während seines Urlaubes geöffnet. Später bin ich dann zu “Fichtendecke” gewechselt und habe bei Thomas Hempel in Solingen eine sehr schöne Gibson ”Johnny Smith” erstehen können.
Welchen Stellenwert nehmen Archtops, gemessen an deinem gesamten öffentlichen Gitarrenspiel, ein?
Ich spiele fast nur Archtops. Selten im Zusammenhang mit Bossa Nova oder Klezmer benutze ich eine Yamaha Elektroakustik mit Nylonsaiten..
Welche Archtops besitzt du?
Da ist zunächst meine Gibson Super 400, sie ist etwas ganz Besonderes. Ich habe sie von Ali Claudi bekommen. Dann habe ich zwei Artur Lang Archtops; sie sind ausgezeichnet! Ich besitze noch die wahrscheinlich weltweit einzige Fasan-Archtop und eine Klira Toneking. Die deutschen Archtops sind der Beginn einer kleinen Sammlung, die ausschließlich vollakustische Instrumente deutscher Gitarrenbauer in “blonder” Ausführung beinhalten wird.
Welche davon ist/sind dein/e Favorit/en im musikalischen Einsatz und warum?
Live spiele ich seit langem nur die S400. Sie hat einfach alles, was man braucht. Demnächst werde ich aber eine der beiden Langs auf der Bühne testen.
Welche Saiten spielst du darauf?
DR 013 Flats, ich habe aber letztlich die 015er Flats Wound von La Bella getestet und denke, dass ich wechseln werde.
Welchen Amp bevorzugst du im Livebetrieb für deinen Archtop-Sound?
Einen AER Acousticube IIa. Früher hatte ich noch einen Polytone, aber der AER ist vielseitiger und vor allem durchsichtiger im Klang. Das spürt man vor allem bei einer “Fichtendecke”. Demnächst werde ich zum AER Acousticube 3 wechseln. Er ist noch besser als der Zweier. Der Polytone klingt meiner Meinung nach in Zusammenhang mit einer Ahorndecke besser, als mit Fichtendecke. Mein Polytone war in unserer Gegend der Einzige und so haben sich oft “Gitarristen auf Tour” meinen geliehen, wenn sie vor Ort waren. Joe Pass, Herb Ellis und Toots Thielemanns waren die bekanntesten davon. Übrigends haben die den Polytone alle mit einer Ahorndecken-Archtop gespielt! Lustigerweise hatte ich den Polytone übrigends vom Bassisten der Scorpions gekauft. Der Amp hat also schon allerlei hinter sich. Jetzt gehört er Wolfgang Rothner.
Wie nimmst du deine Archtops für Aufnahmen im Studio gerne ab?
Mit ein oder zwei Mikros vor dem AER. Wenn der Mann am Mischpult mag, bekommt er auch noch ein direktes Signal vom AER; da steckt alles drin. Ein Mikro vor der Gitarre macht mich nervös.
Welches ist die beste Archtop, die du je in der Hand hattest?
Meine Gibson Super 400. Deshalb habe ich sie auch so lange behalten. Auch Ali Claudi ist der Meinung, dass sie zu den besten Gitarren zählt, die er kennt. Sehr beeindruckend fand ich auch eine D´Angelico A10 von 1940, die ich dankenswerterweise bei Rudi Blazer und Willi Henkes in Tübingen spielen durfte.
Welche Archtop würdest du gerne einmal spielen?
Die L5 von Wes Montgomery.
Archtop-Germany hat sich ja ganz schön entwickelt. Bringts auch was ein?
Ja, ein Wenig, aber der Aufwand steht dazu in keinem Verhältnis. Gerade, wenn man versucht, alles aktuell zu halten, neue Bereiche zu ersinnen, das Ganze kurzweilig zu halten, ist es sehr zeitintensiv. Zum Glück bin ich Frühaufsteher ;-). Andererseits verursacht Archtop-Germany auch Kosten; ich versuche das grob in der Waage zu halten; das heißt, dass ich das, was mit Archtop-Germany hereinkommt, auch dafür im weitesten Sinne ausgebe.
Wie bist du eigentlich auf die Idee mit Archtop-Germany gekommen?
Eigentlich wollte ich auf meiner eigenen Homepage nur eine Liste mit Kollegen erstellen, um das Archtop-Meeting ein wenig offener zu gestalten. Bei der Recherche fiel mir auf, dass es keinerlei zentrales Informationsmedium über das Archtop-Geschehen in Deutschland gab. Der Rest war ein Domino-Effekt...
Archtop-Germany macht auf mich einen sehr kreativen Eindruck. Bist du sehr kreativ?
Ich denke schon, neben dem Spiel in immer wechselden Bands habe ich viele Konzepte entwickelt, die für bessere Zuhörerzahlen sorgten, eben “Events”, wie man so schön sagt. Das Archtop-Meeting kommt dazu. Ständig gehen mir irgendwelche Ideen durch den Kopf. Teilweise hält mich das ganz schön vom Spielen ab.
Ich kenne ja fast alle deiner ehemaligen Bands. War dir davon eine besonders wichtig?
Mmh, eigentlich waren alle wichtig, ich habe mich in Allen weiterentwickeln können. Aber die Abende mit dem “Les Searle Trio/Quartett” waren etwas ganz Besonderes. Mit solchen Musikern wie Hans Braber und John Goldsby zu konzertieren, ist schlichtweg sagenhaft. Sehr schön war auch das Duo mit Stephan Aschenbrenner am Saxophon. Es hat mich in meinem Begleitstil stark nach Vorne gebracht; außerdem bestand damals ein sehr enges musikalisches Miteinander zwischen Stephan und mir.
Und was ist mit dem Christmas-Jazz-Trio? Die Musik hat mir immer sehr gut gefallen.
Ja, natürlich. Das ist auch etwas Besonderes. Eine interessante Besetzung und ein gutes Konzept. Das hört man. Die Arrangements habe ich fast alle in einer Klinik geschrieben, aus Langeweile...bei manchen dieser Ideen habe ich mir vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft. Dann habe ich die Arrangements Alexander Hopff vorgelegt und bat ihn um Änderungsvorschläge; aber er meinte nur, dass man daran nichts zu ändern braucht. Was Martin Zobel da auf seinem Horn teilweise spielt; wie er die Melodien interpretiert; das ist nicht von dieser Welt. Sehr viel Seele, sehr viel Melodisches, sehr viel Chet. Die CD hat Spaß gemacht und ist gut angenommen worden.
Du scheinst ein Freund ungewöhnlicher Besetzungen zu sein. Das Christmas Jazz Trio ist mit Gitarre, Piano und Flügelhorn besetzt. Und da war auch noch das ATP-Jazz-Trio mit zwei Gitarren und Saxophon.
Nicht zu vergessen, dass Alexander Hopff neben seinem Pianospiel auch noch hervorragend singt. Aber es stimmt, ich mag solche Besetzungen, vor allem ohne Rhythm´ Section. Das Ganze klingt sehr luftig und offen für mich. Es gibt natürlich aber auch Gelegenheit zur Abgrenzung von den üblichen Besetzungen. Manche Zuhörer waren zunächst skeptisch, aber wir haben nur sehr selten den Vorschlag gehört, dass wir doch noch einen Bass und ein Schlagzeug brauchen. Alexander Schmitz hat unlängst über “ATP” geschrieben: “...eine bizarre Besetzung, die der Herausforderung souverän und kompakt begegnet...”. Ich finde, das bringt es auf den Punkt.
Das soll aber keineswegs heißen, dass ich andere Besetzungen nicht mag; Jede hat ihre Besonderheit und ihre eigene Herausforderung. Ich hatte vor meinem Umzug noch ein sehr interessantes Quartett mit 2 Gitarren, Kontrabass und Drums. Manuel Marcos hat den anderen Gitarrenpart gehabt. Er ist übrigends ein richtiges Gitarrengenie, aber leider nicht sehr bekannt. Orgeltrio liebe ich geradezu; ich hätte gerne wieder Eines.
Apropos “Umzug”...Du warst bis 1999 musikalisch auf einem aufsteigenden Ast. Du hattest Kontakte zu Weltklasse-Musikern und man hat dich in den Jahren bis dahin überregional sehr akzeptiert. Dann hast du diesen Herzinfarkt bekommen und bist bis Heute nicht mehr so recht in der spielenden Szene aufgetaucht. Willst du darüber reden?
Warum nicht! Meine Freunde wissen es ohnehin und ich mache kein Hehl daraus. Es war auch kein Herzinfarkt, sondern eine unheilbare, nicht operable, seltene Herzkrankheit, die mich für eine lange Zeit komplett aus dem Geschehen herausgezogen hat. Verrückterweise hat dies nicht nur meine Gesundheit sondern auch die Musik und alle meine persönlichen Bereiche extrem verändert. Ich musste mich erst mal wieder mit mir selbst zurechtfinden. Weißt du, wenn du nicht weißt, was du bist und wohin du gehörst, kannst du nicht glaubwürdig Musik machen, alles artet irgendwie in “Mucke” aus. Künftig möchte ich wieder etwas mehr spielen. Am liebsten eben im Orgeltrio oder noch einmal in einer Besetzung mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Kontrabass.
Welche musikalische Begegnung hat dir am besten gefallen?
Neben den bereits erwähnten waren es vor allem die Jams mit Atilla Zoller und Larry Coryell. Die haben unheimlich was gebracht und Beide waren sehr nett. Mit Atilla Zoller musste ich gemeinsam auf einer Gitarre spielen, weil er keine in den Jazzkeller mitgenommen hatte. Das war sehr lustig. Aber er wollte halt kein Foto mit Jemanden machen, mit dem er nicht zusammen gespielt hatte.
Wo war das?
Das war bei den Internationalen Wiehler Jazztagen. Es muss ca. Mitte der 90er jahre gewesen sein.
Peter Kleinschmidt (31.05.2005) ...nach oben
Mit Jazz von Köln an die Fulda 18.06.2001
Vielseitig isr der Neu-Rotenburger Jazz-Gitarrist Andreas Polte. Er hat Weihnachtslieder jazzig arrangiert und spielt morgen Abend im Café am Brunnen.
Was führt einen Jazzmusiker von Köln nach Waldhessen? Und was veranlasst ihn, hier zu bleiben? „Herzensangelegenheiten“ sagt Andreas Polte amüsiert und hat damit gleich beide Fragen beantwortet. Er war zur Behandlung in der Rodenberg-Klinik, die er in den höchsten Tönen lobt. „Auch die Stadt hat mir gut gefallen“, sagt der Musiker, der seit ein paar Wochen hier lebt.
Der Gitarrist spielt Mainstream-Jazz und hat bereits drei CDs herausgebracht. Die Erste mit Jazzstandards und eigenen Kompositionen kam vor fünf Jahren auf den Markt und trägt den Titel „Some of the songs I did“.
Viel Erfolg hatte der 43-jährige mit dem Christmas-Jazz-Trio. Die verjazzten deutschen Weihnachtslieder wie „Morgen Kinder wird’s was geben“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“ arrangierte Andreas Polte in den 12 Wochen, die er in der Rodenberg-Klinik verbrachte. Im Café am Brunnen probierte er den deutschen Weihnachtsjazz aus. Weil das Publikum so viel Spaß hatte, ist wie im vergangenen Jahr auch 2001 in der Adventszeit eine Deutschlandtournee mit Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln und natürlich auch Rotenburg geplant.
Andreas Polte liebt kleine Besetzungen, in die er sich am besten einbringen kann. Er ist in verschiedenen Formationen aktiv und sucht auch in Waldhessen musikalische Kontakte. Mitte Mai spielte der Gitarrist des ATP-Trios beim Wiehler Jazzfestival. Das Trio trat als Vorgruppe der Jazzlegende Ray Brown auf die Bühne in Wiehl.
Außerdem ist Andreas Polte maßgeblich beteiligt am Chet Baker Project. Seit zwei Jahren macht der Neu-Rotenburger nur noch Musik. Der ausgebildete Diplom-Verwaltungswirt war beim Arbeitsamt beschäftigt, der Stadt Gummersbach und einem Abfallzweckverband. Wegen seiner Herzerkrankung ist er heute sozusagen Privatier.
Spaß machen ihm BeBop, Cool und Modern-Jazz - der so genannte Mainstream eben. Seine Vorbilder sind Jim Hall, Pat Martino und vor allem Wes Montgomery. Den hörte Andreas Polte vor gut 20 Jahren zum ersten Mal. Bis dahin hatte er nur Blues und Rock gespielt, aber immer den Wunsch verspürt, etwas anderes zu machen. Polte spricht von einer Initialzündung: „Ich hatte da etwas gehört, was bereits in mir war“.
Doch Andreas Polte ist vielseitig. Er hat auch Klassik und Pop im Programm, wenn er beispielsweise im Duo Da Capo mit Michael Zirwes an der Violine berühmte Melodien aus aller Welt zu Gehör bringt.
Wenn Andreas Polte nicht selbst Musik macht, betätigt er sich gerne als Kulturmanager und organisiert beispielsweise Festivals. Er hat 1996 das Jazz Meeting Oberberg gegründet und vier Jahre lang mit einem Partner gemanagt.
Sein ausgewählter Geschmack beschränkt sich aber nicht nur auf die Musik. Andreas Polte ist fast schon etwas mehr als ein Hobby-Koch. Die internationale und vor allem die cholesterinarme Küche haben es ihm angetan. Polte hat ein eigenes Kochbuch in Planung. Bis es soweit ist, stellt er seine Rezepte ins Internet: zum Beispiel „Champagner-Krautfeleckerl“ gibt es da oder “Tatar vom Steinbutt und Lachs im Kartoffeltürmchen mit Feigensenf-Vinaigrette”.
Gudrun Schankweiler-Ziermann ...nach oben
Presseschnippsel
“...Wie einen kunstvoll zusammengesteckten Blumenstrauß hatte Andreas Polte jeweils drei oder vier Melodien zu einem Werk arrangiert, was dank der einfallsreich gestalteten Übergänge wie aus einem Guss klang. Besonders in diesen Überleitungen mit ihren Tempi- und Rhythmuswechseln blitzte das virtuose Können des Gitarristen Polte auf. Für den größten Teil des Konzertes war er der Begleitgitarrist, der variantenreich mit Samba-, Bossa Nova- oder Swingrhythmen sowie jazzigen Bassläufen das Geigenspiel seines Partners verziehrte...”
Dieter Szameitat, Kölner Rundschau 11.03.2002
“...In der Tradition seiner Vorbilder Wes Montgomery, Jim Hall, Pat Martino spielt Andreas Polte und hat hier seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Ganz eins mit seiner Gitarre wird er bei den Soloparts und nimmt dann immer wieder mit Leichtigkeit den Dialog zu den anderen Instrumenten auf. ...”
Vera Marzinski, Oberberg Aktuell 17.06.2001
“...war das Bruno-Goller-Haus rappelvoll , als das international besetzte “Les Searle Quartett featuring Andreas Polte” mit dem Eröffnungsstück “It ain´t necessarily so” den Abend begann. Bei diesem Opener setzte Andreas Polte die Akzente mit der Jazzgitarre. Satt klang der Bass von John Goldsby, der in der WDR-BigBand zu Hause ist. Er war der erste, der ein Solo spielte...”
Lars Strombach Rundschau Oberberg 16.03.1998
“...Das Stück “Wes”, eine Widmung an den Gitarristen Wes Montgomery, zeigte, dass Andreas Polte die atemberaubenden artistischen Läufe in hervorragender Weise beherrscht. Er komponierte auch “No doubt”, das aus einer Improvisation über die Stilistik von Grant Green zur Anfangslinie des Stückes führte...”
Vera Marzinski, OVZ 16.03.1998 ...nach oben
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